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Adalbert Erler

deutscher Rechtshistoriker

Leben und WirkenBearbeiten

Adalbert Erler entstammte einer bürgerlich-protestantischen Pfarrer- und Beamtenfamilie. Er wurde als Sohn eines hohen Marineoffiziers 1904 in Kiel geboren. Nach der Versetzung des Vaters in das Marineministerium wuchs er in Berlin auf. Im Jahr 1922 legte er das Abitur am Humanistischen Gymnasium in Berlin-Zehlendorf ab. Erler studierte zunächst in Heidelberg und dann in Berlin Rechtswissenschaft. Seine wichtigsten akademischen Lehrer waren Hans Fehr, Ernst Heymann und vor allem Ulrich Stutz. In Greifswald wurde er im Januar 1928 von Günther Holstein mit einer Arbeit über die Stellung der Evangelischen Kirche in Danzig promoviert. Erler nahm wegen der politischen und wirtschaftlich schwierigen Situation zunächst Abstand von einer Habilitation. In Berlin legte er 1930 das Assessorexamen ab. Ab 1934 war er kommissarischer Leiter des Finanzamtes in Hanau. Im selben Jahr heiratete er und übernahm die Verantwortung für die zwei fast erwachsenen Kinder seiner Frau. Im Frühjahr 1939 habilitierte er sich bei Rudolf Ruth an der Universität Frankfurt am Main mit der Arbeit Bürgerrecht und Steuerpflicht im mittelalterlichen Städtewesen mit besonderer Untersuchung des Steuereides.[1] Mitte Juli 1939 wurde er an der Universität Frankfurt am Main zum Dozenten ernannt. Er trat 1940 der NSDAP (Mitgliedsnummer 7.903.499) bei.[2] Im Dezember 1941 wurde er außerordentlicher Professor für deutsche Rechtsgeschichte und Handelsrecht an der Reichsuniversität Straßburg.[3] Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches kehrte er zurück und fand Unterkunft in einem Forsthaus im Odenwald. Im Jahr 1946 erhielt er einen Lehrstuhl an der wiederbegründeten Universität Mainz. Dort war er als Prorektor (1946/47) am Aufbau der Universität maßgeblich beteiligt.[4] In dieser Zeit lebte er in Ingelheim. Von 1950 bis zu seiner Emeritierung 1972 lehrte er an der Universität Frankfurt am Main. Dort hatte er den Lehrstuhl für deutsche Rechtsgeschichte und Zivilrecht inne. Zu seinen akademischen Schülern gehörte Gerhard Dilcher.

Seine Habilitation wurde zum Standardwerk und erschien zu Beginn der sechziger Jahre unverändert in zweiter Auflage. Im Jahr 1964 legte er eine Edition von fünf Mittelalterlichen Rechtsgutachten zur Mainzer Stiftsfehde 1459–1463. Erler veröffentlichte 1949 ein Studienbuch zum Kirchenrecht. Im Jahr 1983 erschien das Buch in fünfter Auflage. Erler war in Ingelheim am Aufbau der Volkshochschule und an der Wiedergründung des Historischen Vereins sowie des Stadtmuseums beteiligt. Er war Mitherausgeber des Handwörterbuchs zur deutschen Rechtsgeschichte, das er von Anfang der sechziger Jahre bis kurz vor seinem Tod betreute. Engen Kontakt pflegte Erler mit dem Rechtshistoriker Emilio Bussi. Diese Verbindung ermöglichte es, jährliche Exkursionen und deutsch-italienische Seminartagungen abzuhalten. Erler wurden zahlreiche wissenschaftliche Ehrungen und Mitgliedschaften zugesprochen. Ihm wurde von der Universität Modena die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Philipps-Universität Marburg verlieh ihm den Brüder-Grimm-Preis, die Stadt Ingelheim am Rhein ernannte ihn zum Ehrenbürger. Zum 70. und zum 80. Geburtstag wurde er mit Festschriften gewürdigt.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

Ein Schriftenverzeichnis erarbeitet von Dietlinde Munzel erschien in Beiträge zur Ingelheimer Geschichte 40 (1994), S. 178–193.

  • Die rechtliche Stellung der evangelischen Kirche in Danzig. s. n., Berlin 1929, (Greifswald, Universität, Rechts- und staatswissenschaftliche Dissertation, vom 21. Februar 1929).
  • Bürgerrecht und Steuerpflicht im mittelalterlichen Städtewesen mit besonderer Untersuchung des Steuereides (= Frankfurter wissenschaftliche Beiträge. Rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Reihe. 2, ZDB-ID 575520-7). Klostermann, Frankfurt am Main 1939.
  • Das Napoleonische Konkordat im Elsass und in Lothringen. Ein kirchenrechtlicher Beitrag zur Geschichte des Kulturkampfes. In: Archiv für katholisches Kirchenrecht. Folge 4, Bd. 30 = Bd. 122, Heft 2, 1942/1943, S. 237–278.
  • Kirchenrecht (= Frankfurter Grundrisse für das juristische Studium. 25, ZDB-ID 844979-x). Hirschgraben-Verlag, Frankfurt am Main 1949, (Mehrere Auflagen).
  • Das Strassburger Münster im Rechtsleben des Mittelalters (= Frankfurter wissenschaftliche Beiträge. Rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Reihe. 9). Klostermann, Frankfurt am Main 1954.
  • Die Mainzer Stiftsfehde 1459–1463 im Spiegel mittelalterlicher Rechtsgutachten (= Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Bd. 1, Nr. 5, ISSN 0512-1523). Steiner, Wiesbaden 1963.
  • als Herausgeber mit Wolfgang Stammler, Ekkehard Kaufmann und Dieter Werkmüller: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. 5 Bände. Erich Schmidt, Berlin 1964–1998.
  • Aegidius Albornoz als Gesetzgeber des Kirchenstaates. Erich Schmidt, Berlin 1970, ISBN 3-503-00607-9.
  • Lupa, Lex und Reiterstandbild im mittelalterlichen Rom. Eine rechtsgeschichtliche Studie (= Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Bd. 10, Nr. 4). Steiner, Wiesbaden 1972.
  • Ältere Ansätze zur Überwindung der Sklaverei (= Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Bd. 15, Nr. 1). Steiner, Wiesbaden 1978, ISBN 3-515-02763-7.
  • Der Loskauf Gefangener. Ein Rechtsproblem seit 3 Jahrtausenden. Erich Schmidt, Berlin 1978, ISBN 3-503-01275-3 (Über Sklaverei).
  • William Shakespeare – König Heinrich V. Die Lex salica in der Deutung des Kronjuristen (= Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Bd. 17, Nr. 3). Steiner, Wiesbaden 1980, ISBN 3-515-03414-5.
  • Privileg des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz für die Orte des Ingelheimer Grundes vom 18. Februar 1747. In: Ingelheim zwischen dem späten Mittelalter und der Gegenwart. Aufsätze und Vorträge (= Beiträge zur Ingelheimer Geschichte. Bd. 36). Historischer Verein, Ingelheim 1987, ISBN 3-87854-057-4, S. 79 ff.

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Jürgen Becker, Gerhard Dilcher, Gunter Gudian, Ekkehard Kaufmann, Wolfgang Sellert (Hrsg.): Rechtsgeschichte als Kulturgeschichte. Festschrift für Adalbert Erler zum 70. Geburtstag. Unter Mitwirkung von Adolf Fink. Scientia, Aalen 1976, ISBN 3-511-09012-1.
  • Hans-Jürgen Becker: Adalbert Erler 1.1.1904–19.4.1992. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Kanonistische Abteilung 79 (1993), S. 559–561.
  • Gerhard Dilcher, Bernhard Diestelkamp (Hrsg.): Recht, Gericht, Genossenschaft und Policey. Studien zu Grundbegriffen der germanischen Rechtshistorie. Symposion für Adalbert Erler. Erich Schmidt, Berlin 1986, ISBN 3-503-02254-6.
  • Gerhard Dilcher: Adalbert Erler 1.1.1904–19.4.1992. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 110 (1993), S. 680–692.
  • Anno Vey: Adalbert Erler (1904–1992). Der erste Prorektor der Johannes Gutenberg-Universität (1946/47). In: Michael Kißener, Helmut Mathy (Hrsg.): Ut omnes unum sint Teil 2: Gründungspersönlichkeiten der Johannes Gutenberg-Universität (= Beiträge zur Geschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Neue Folge. Bd. 3). Steiner, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-515-08781-0, S. 115–134.
  • Karl Heinz Henn, Ernst Kähler (Hrsg.): In memoriam Adalbert Erler. In: Beiträge zur Ingelheimer Geschichte 40 (1994).

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Wolfgang Sellert: Die Habilitation [von Adalbert Erler a. d. Univ. Frankfurt a. M.]. In: Beiträge zur Ingelheimer Geschichte 40 (1994), S. 162–171.
  2. Anno Vey: Adalbert Erler (1904-1992). Der erste Prorektor der Johannes Gutenberg-Universität (1946/47). In: Michael Kißener, Helmut Mathy (Hrsg.): Ut omnes unum sint Teil 2: Gründungspersönlichkeiten der Johannes Gutenberg-Universität. Stuttgart 2006, S. 115–134, hier: S. 117.
  3. Vgl. dazu Herwig Schäfer: Juristische Lehre und Forschung an der Reichsuniversität Strassburg 1941–1944. Tübingen 1999, S. 105–107.
  4. Paul Kurt Kaller: Adalbert Erler und seine Verdienste als erster Prorektor am Aufbau der wiedergegründeten Mainzer Universität. In: Beiträge zur Ingelheimer Geschichte 40 (1994), S. 65–81.