Absturzsicherung (Mensch)

Ausrüstung zum Sichern gegen Abstürzen

Unter Absturzsicherung werden Praktiken und Vorrichtungen, die dazu dienen, einen Absturz beim Aufenthalt oder bei Tätigkeiten in Bereichen zu vermeiden, in denen ein Absturz auf Grund der möglichen Sturzhöhe zu Verletzungen führen kann, verstanden.

Kollektivschutz: Schutzgeländer an Absturzkante
Dachdecker mit Sicherheitsgeschirr
Feuerwehrmann mit Absturzsicherung

Arten von AbsturzsicherungenBearbeiten

Je nach Bereich werden verschiedene Arten der Absturzsicherung angewendet:

  • Im Bauwesen wird unter Absturzsicherung ein Bauteil verstanden, das dem Benutzer die gefahrlose Bewegung auf nicht zu ebener Erde liegenden Flächen ermöglicht, wie eine Brüstung oder ein Gitter bzw. Geländer. (siehe auch: Kollektivschutz, Absturzsichernde Verglasung)
  • Im Bereich der Arbeitssicherheit werden vorübergehende Maßnahmen zur Absturzsicherung wie Gerüste, provisorische Geländer, Fangnetze, Seilsicherungen oder Abdeckungen oft in Kombination mit einer persönlichen Absturzschutzausrüstung nach EN 363[1] eingesetzt. In Bereichen, in denen aus strukturellen und räumlichen Bedingungen eine Absturzgefährdung besteht, wie beispielsweise auf Flachdächern oder an Fassaden können fixe Anschlagpunkte für Kontrolle und Unterhalt eingeplant werden.
  • Bei der Klettersicherung erfolgt die Absturzsicherung im Allgemeinen durch ein Seil, das mit Expresssets in Zwischensicherungen eingehängt wird und einen Sicherungspartner, der dafür verantwortlich ist, den Sturz des Kletterers mit Hilfe eines Sicherungsgerätes abzufangen. Befindet sich der Sicherungspartner selbst ebenfalls in absturzgefährdetem Gelände, so ist er an einem Standplatz fixiert.
  • Bei der Feuerwehr wird die Absturzsicherung durch die Feuerwehr-Dienstvorschrift 1 geregelt. Dabei wird vorrangig das „Absturzsicherungsset“ (s. u.) – und im Notfall Feuerwehrleine und Feuerwehrhaltegurt – verwendet.
  • Auf Sportbooten werden sogenannte Lifebelts verwendet, um das Überbordfallen zu verhindern. Bei großen Segelschiffen tragen Matrosen Absturzsicherungen, wenn sie in die Takelage klettern müssen.
  • Im Turnsport und bei der Artistik, beispielsweise im Variete, wird eine Absturzsicherung der Akrobaten durch direktes Festhalten oder mittels verschiedener Longen-Arten erreicht. Figuren, wie die Salti in Griffhöhe, können noch direkt gehalten, oder mit einer Handlonge, einem Gurt mit kurzen Seilen an den Seiten, gesichert werden. Höhere Figuren werden über einen, an der Decke befestigten einfachen Flaschenzug gesichert. Diese Longen besitzen noch zu den jeweiligen Übungen passende Gurte. Für Schrauben existieren beispielsweise Gurte mit Kugellagern, um die Rotationen nicht zu behindern.

Während die Absturzsicherung im Bauwesen fest an der Gefahrenstelle angebracht ist, um beliebige Personen vor einem Absturz an diesem Ort zu bewahren, werden die Absturzsicherungen beim Klettern und bei der Feuerwehr vom Benutzer mitgeführt und sollen ihn an jeder beliebigen möglichen Absturzstelle schützen. Beispiel: Bandfalldämpfer. Wo im Bauwesen das Anbringen von festen Sicherheitseinrichtungen nicht möglich oder unverhältnismäßig wäre – beispielsweise bei Dachdeckarbeiten – tragen die damit beauftragten Personen Sicherheitsgeschirre, die das Sichern mit einem Seil erlauben.

ArbeitsschutzBearbeiten

Um sicheres Arbeiten, trotz Absturzgefahr, zu ermöglichen stehen dem Arbeitgeber verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Im Allgemeinen werden all diese Maßnahmen als Absturzsicherung beschrieben. Die Auswahl der geeigneten Maßnahmen ergibt sich individuell für jeden Arbeitsplatz und jeden Tätigkeitsbereich aus der Gefährdungsbeurteilung. Bei der Auswahl der Maßnahmen sich technische den persönlichen Schutzmaßnahmen stets vorzuziehen.

Neben dem Auffanggurt und dem Verbindungsmittel ist die Anschlageinrichtung ein grundlegender Bestandteil der persönlichen Absturzschutzausrüstung.

Der Herstellung von Anschlageinrichtungen liegt die Europäische Norm EN 795 Persönliche Absturzschutzausrüstung – Anschlageinrichtungen[2] zu Grunde. Gemäß dieser Norm werden fünf Typen von Anschlageinrichtungen unterschieden:[3]

  • Typ A: Fest mit dem Untergrund verbundene Einzelanschlagpunkte
  • Typ B: Temporäre Anschlagpunkte, die nach Verwendung wieder rückstandsfrei entfernt werden können
  • Typ C: horizontale Seilsicherungssysteme
  • Typ D: horizontale Schienensicherungssysteme
  • Typ E: Anschlageinrichtungen, die durch ihr Eigengewicht oder eine Auflast gehalten werden.

Gemäß dem Durchführungsbeschluss der EU-Kommission 2015/2181 dürfen jedoch nicht mehr alle Teile der EN795 für die Herstellung von Anschlageinrichtungen verwendet werden. Er stellt fest, dass nur die Typen B und E bewegliche Anker sind und in den Geltungsbereich der PSA Richtlinie 89/686/EWG fallen. Alle weiteren Typen sind als Bauprodukte zu behandeln.

Als Bauprodukte in Deutschland sind Anschlageinrichtungen mit einem Ü-Kennzeichen (Übereinstimmungs Zeichen) versehen. Dieses erteilt das deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) nach erfolgreicher Prüfung.

Anschlageinrichtungen, welche als Bauprodukt eingestuft werden, können aber auch ein CE-Kennzeichen tragen, wenn sie z. B. gemäß einer ETA (European technical Assessment) erfolgreich geprüft wurden.

Gerätesatz AbsturzsicherungBearbeiten

Der Gerätesatz Absturzsicherung ist ein Hilfsmittel für Feuerwehrarbeiten im absturzgefährdeten Bereichen. Die erstmals im Mai 2007 veröffentlichte deutsche Norm DIN 14800-17 enthält die Zusammenstellung eines Gerätesatzes Absturzsicherung mit Ausrüstungsteilen und Hilfsmitteln für die Feuerwehr.[4] Zum Gerätesatz gehören Kernmanteldynamikseil, verschiedene Karabinerhaken, verschiedene Bandschlingen, Handschuhe, ein Auffang- und Sitzgurt und eine Nahbereichssicherung in Form eines Verbindungsmittels mit integriertem Falldämpfer (Y-Schlinge). Optional kann der Satz um eine Rettungsschlaufe Klasse B (Rettungsdreieck mit Schulterriemen) ergänzt werden.[5]

Teilweise sind bei den Feuerwehren noch sogenannte Absturzsicherungssets mit einer minimalen Ausrüstung (Komplettgurt, Karabiner, Bandschlingen und Kernmantelseil) im Einsatz. Diese stammen häufig noch aus Zeiten vor der Normung des Gerätesatzes Absturzsicherung. Der Gerätesatz Absturzsicherung wird in einem Transportsack mit Rucksackbegurtung (Seesack) gelagert, der in einen Kasten nach DIN 14880 passen muss. Der Gerätesatz darf nur von in seiner Verwendung theoretisch und praktisch unterwiesenem Personal verwendet werden.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jörg Mezger: Die Roten Hefte, Heft 213 – Absturzsicherung. 2. überarbeitete Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-17-021366-1.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. DIN EN 363:2019-06. Persönliche Absturzschutzausrüstung - Persönliche Absturzschutzsysteme. In: beuth.de. Abgerufen am 30. Oktober 2021.
  2. DIN EN 795:2012-10. In: beuth.de. Abgerufen am 30. Oktober 2021.
  3. DGUV Regel 112-198 Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz. In: bgbau.de. September 2019, abgerufen am 30. Oktober 2021.
  4. DIN 14800-17:2015-11. In: beuth.de. Abgerufen am 30. Oktober 2021.
  5. DIN<tcxspan tcxhref="1480017" title="Call 14800-17, via 3CX"> 14800-17,</tcxspan> Normenausschuss Feuerwehrwesen (FNFW) im DIN, Mai 2007.