Abid Raja

norwegischer Rechtsanwalt und Politiker

Abid Qayyum Raja (* 5. November 1975 in Oslo) ist ein norwegischer Jurist und Politiker der sozialliberalen Partei Venstre. Seit Januar 2020 ist er Minister für Kultur und Gleichstellung in der Regierung Solberg, seit September 2020 dient er als stellvertretender Vorsitzender der Venstre.

Abid Raja (2018)

LebenBearbeiten

Herkunft und AusbildungBearbeiten

Abid Raja ist der Sohn pakistanischer Einwanderer. Das Leben in der Familie war von Gewalt geprägt und Raja meldete seine Eltern beim norwegischen Jugendamt, weshalb er in ein Kinderheim gebracht wurde.[1] Dort war er vor allem von kriminellen Jugendlichen umgeben und er brach in dieser Zeit auch die Schule ab. Nach einem halben Jahr kehrte er zu seinen Eltern zurück, die ihn nach Pakistan schickten. Als er von dort wieder zurückkehrte, setzte er seine Schulzeit in Norwegen fort.[2]

Raja studierte von 1996 bis 2001 Rechtswissenschaft an der Universität Oslo. In der Zeit von 1999 bis 2001 war er Sprecher der World Islamic Mission in Oslo, der größten norwegisch-pakistanischen Moschee. Zwischen 2003 und 2004 studierte er Psychologie im Masterstudiengang an der University of Oxford. Von 2000 bis 2012 arbeitete er in verschiedenen Positionen als Jurist. Zwischen 2012 und 2013 war er als Diplomat in der Botschaft in New Delhi tätig.

Politischer WerdegangBearbeiten

Raja wurde bei der Parlamentswahl 2009 erster Vararepresentant in der ehemaligen Provinz Akershus, er schaffte also den direkten Einzug ins Storting nicht. Bei der Wahl 2013 erhielt er ein Mandat und er wurde Mitglied im Kontroll- und Konstitutionsausschuss sowie im Transport- und Kommunikationsausschuss, als dessen stellvertretender Vorsitzender er fungierte. Im Anschluss an die Parlamentswahl 2017 wurde er Teil des Außen- und Verteidigungsausschusses. Am 7. Oktober 2017 wurde er zum fünften Vizepräsidenten des Parlaments gewählt, er wurde Anfang Oktober 2019 für den Zeitraum bis September 2020 wiedergewählt. Bei seiner Wiederwahl, die einige Politiker der Fremskrittspartiet (FrP) verhindern wollten, gaben 31 Storting-Abgeordnete keine Stimme für ihn ab, während der Rest der Parlaments-Präsidentschaft einstimmig gewählt wurde.[3] Von Januar 2018 bis Januar 2020 war er zudem stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Venstre und Mitglied im Finanzausschuss des Stortings.

Von 2009 bis 2011 war er stellvertretender Vorsitzender seiner Partei in Akershus, bis 2013 saß er zudem im Vorstand der Partei auf Landesebene. In der Zeit zwischen 2009 und 2012 war er Teil des Vorstands der pro-europäischen Europabevegelsen.

Am 24. Januar 2020 wurde er als neuer Minister für Kultur und Gleichstellung der Regierung Solberg vorgestellt. Raja ersetzte dabei seine Parteikollegin Trine Skei Grande. Den Posten erhielt er, nachdem die Fremskrittspartiet (FrP) die Regierung verließ und seine Partei deshalb ein Ministeramt mehr zugesprochen bekam.[4] Durch seine Mitgliedschaft in der Regierung muss er sein Parlamentsmandat ruhen lassen, weshalb Ingjerd Schou von der konservativen Partei Høyre sein Amt als fünfter Stortingsvizepräsident übernahm. Am 5. März 2020 wurde er von der Parteiführung als zweiter stellvertretender Parteivorsitzender seiner Partei vorgeschlagen.[5] Nachdem Parteichefin Grande im März ihren Rücktritt erklärt hatte, wurde er im August 2020 erneut als zweiter Stellvertreter mit Guri Melby als Vorsitzende vorgeschlagen. Am 26. September 2020 wurde er schließlich als Nachfolger von Terje Breivik in diese Position gewählt.[6][7][8]

PrivatesBearbeiten

Raja ist mit der Psychologin Nadia Ansar verheiratet, die er in seiner Zeit an der Universität Oslo kennen lernte. Die Beziehung hielten sie zunächst lange geheim, da sie Angst hatten, von ihren Familien und der pakistanischen Gemeinschaft in Oslo dazu gezwungen zu werden, sich wieder zu trennen.[9] Gemeinsam haben sie drei Kinder.[10]

Politische PositionenBearbeiten

IslamBearbeiten

Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo kritisierte er den Chef des Islamischen Rates in Norwegen, Mehtab Afsar, der sich seiner Meinung nach nicht deutlich genug von den Angriffen distanzierte. Auf Twitter veröffentlichte er die Nachricht „Der Prophet braucht keine feigen Muslime, um sich zu verteidigen.“ Raja warnte außerdem davor, dass so ein Angriff auch in Norwegen stattfinden könne und es dann keine gute Strategie wäre, als Verteidigung anzuführen, dass die Religionsgemeinschaft unterdrückt werde. Er sprach außerdem von einer muslimischen Kultur, in der die Kinder Hass auf Juden, Homosexuelle und Amerikaner mit der Muttermilch aufnähmen.[11]

Raja sprach sich außerdem für die Ausweisung vom Imamen aus, die nicht dem norwegischen Recht folgen.[12] Im Jahr 2009 schlug er vor, dass der Staat Imame anstellen solle, die den „richtigen Islam“ an Schulen lehren.[13] 2016 warnte er vor einem Verbot von Burkas oder Niqabs, da es nicht die Aufgabe des Staates sei, die Kleidung seiner Bürger zu regeln.[14]

EU-BeitrittBearbeiten

Raja trat für einen Beitritt Norwegens zur Europäischen Union (EU) ein. Er erklärte unter anderem im Dezember 2018, nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs, dass Venstre sich für den Beitritt aussprechen solle.[15] Bei einer Abstimmung über die zukünftige Haltung der Venstre-Partei zu dieser Frage im Jahr 2020 enthielt er sich zunächst, bei einem Parteitag im September 2020 plädierte er dafür, einen EU-Beitritt ins Parteiprogramm der Venstre aufzunehmen.[16][17]

Aktive SterbehilfeBearbeiten

Raja sprach sich mehrfach gegen die Legalisierung aktiver Sterbehilfe aus und erklärte, dass der Staat nicht das Leben von Personen nehmen solle. Die Sterbehilfe stelle laut Raja ein Bruch mit der Unverletzlichkeit des Lebens dar.[18][19]

Kritik an der FremskrittspartietBearbeiten

Im September 2019 unterstellte er der Fremskrittspartiet (FrP) „braune Propaganda“. Diese hatte nämlich zuvor Wahlplakate mit einer Fotomontage eines Bootes im Sonnenuntergang veröffentlichte, auf der sie vor einer „schleichenden Islamisierung“ warnten. Dies führte daraufhin zu einem Regierungsstreit, da zu diesem Zeitpunkt sowohl die FrP wie auch Rajas Partei an der Regierung Solberg beteiligt waren.[20][21] Später sagte er in einem Facebook-Beitrag, dass es nicht seine Absicht gewesen sei, die FrP als Nazis zu bezeichnen, da er die Farbe braun persönlich nicht mit dem Nationalsozialismus verbunden hätte.[22] Nach dem Regierungsaustritt der FrP, bei dem die FrP versprach, weiter mit der Regierung zusammenzuarbeiten, wurde Rajas Ernennung zum Kulturminister von der FrP als Provokation bezeichnet.[23]

AuszeichnungenBearbeiten

  • 2003: norwegisches Oxford-Stipendium
  • 2008: „Man of the year“ von der African society
  • 2010: Fritt-Ord-Preis

WerkeBearbeiten

  • 2008: Talsmann
  • 2010: Dialog: om vold undertrykkelse og ekstremisme

WeblinksBearbeiten

Commons: Abid Raja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Trine Bråthen: Abid Q. Raja ble født uten endetarm. 21. April 2008, abgerufen am 16. September 2019 (norwegisch (Bokmål)).
  2. TV 2 AS: Abid Raja havnet på glattcelle. Abgerufen am 16. September 2019 (norwegisch (Bokmål)).
  3. Eivind Molde: 31 stemte blankt da Raja ble gjenvalgt som visepresident. 1. Oktober 2019, abgerufen am 2. Oktober 2019 (norwegisch (Bokmål)).
  4. David Vojislav Krekling: Her er Solberg-regjeringen 4.0. 24. Januar 2020, abgerufen am 24. Januar 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  5. Håvard Grønli: Valkomiteen vil at Trine Skei Grande skal halde fram. In: NRK. 5. März 2020, abgerufen am 5. März 2020 (norwegisch (Nynorsk)).
  6. Alf Bjarne Johnsen, Runa Fjellanger, Eirik Mosveen: Trine Skei Grande går av – trekker seg som partileder og statsråd, og tar ikke gjenvalg. In: Verdens Gang. 11. März 2020, abgerufen am 11. März 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  7. Lars Kristian Solem: – Jeg tror det blir veldig fint å samarbeide med Abid. In: Dagens Næringsliv. 23. August 2020, abgerufen am 23. August 2020 (norwegisch).
  8. Guri Melby valgt til ny Venstre-leder. In: Dagsavisen. 26. September 2020, abgerufen am 26. September 2020 (norwegisch).
  9. Møttes i hemmelighet på Burger King: – Skulle ønske jeg var mer modig. Abgerufen am 28. Januar 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  10. Thomas Spence: Statsråd Abid Raja: – Jeg er født med utestemme. Abgerufen am 28. Januar 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  11. Eividn Sæther: For konge og fedreland. 16. Januar 2015, abgerufen am 16. September 2019 (norwegisch).
  12. Oddvin Aune: - Jeg ble også slått i moskeen. 9. Juni 2009, abgerufen am 16. September 2019 (norwegisch (Bokmål)).
  13. Shakil Rehman: Vi trenger dem ikke! 24. August 2009, abgerufen am 16. September 2019 (norwegisch (Bokmål)).
  14. Venstre-Raja kraftig ut mot burka – og nikabforbud. Abgerufen am 16. September 2019 (norwegisch (Bokmål)).
  15. Hans Rustad: Raja vil lære av Brexit - går inn for EU-medlemskap. In: Document. 8. Dezember 2018, abgerufen am 26. September 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  16. Solveig Ruud, Kjetil Magne Sørenes: Abid Raja er for EU-medlemskap. Men da landsstyret behandlet saken i juni, unnlot han å stemme. In: Aftenposten. 26. September 2020, abgerufen am 26. September 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  17. David Vojislav Krekling: Venstre går inn for at Norge skal bli medlem i EU. In: NRK. 27. September 2020, abgerufen am 27. September 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  18. Mads Fremstad: Raja: - Staten bør ikke ta liv. In: TV 2. 15. Januar 2020, abgerufen am 26. September 2020 (norwegisch).
  19. Ragnar Aamodt: Dødshjelp-forslag vakte avsky. In: idag.no. 3. April 2017, abgerufen am 26. September 2020 (norwegisch).
  20. Svein Vestrum Olsson: Raja mener Frp fremmer «brun propaganda». 13. September 2019, abgerufen am 16. September 2019 (norwegisch (Bokmål)).
  21. TV 2 AS: - Helt uakseptabelt å stille seg bak Rajas uttalelser. Abgerufen am 16. September 2019 (norwegisch (Bokmål)).
  22. Marte Klausen: Abid Raja: - Ikke min hensikt å kalle Frp nazister. 17. September 2019, abgerufen am 26. September 2019 (norwegisch).
  23. Camilla Wernersen: Siv Jensen reagerer på at Hareide blir statsråd. 24. Januar 2020, abgerufen am 25. Januar 2020 (norwegisch (Bokmål)).