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Aargauer Kunsthaus

Museum in Aarau (Schweiz)
Aargauer Kunsthaus (Aussenansicht)
Blick auf Wendeltreppe und Handbibliothek mit Werken von Thomas Huber (Künstler) im Untergeschoss des Aargauer Kunsthauses

Das Aargauer Kunsthaus ist ein Kunstmuseum in Aarau. Aufgrund seiner bedeutenden Sammlung an Schweizer Kunst vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart sowie einem national wie international orientierten Ausstellungsprogramm zählt es zu den wichtigsten Kunstmuseen der Schweiz. Träger des Aargauer Kunsthauses sind der Kanton Aargau sowie der Aargauische Kunstverein. Seit 2007 steht das Museum unter der Leitung von Madeleine Schuppli.

GeschichteBearbeiten

Die Geschichte des Aargauer Kunsthauses beginnt 1860 mit der Gründung des Aargauischen Kunstvereins, dessen konkrete Vorhaben primär darin liegen, Ausstellungen zu organisieren und junge, einheimische Kunstschaffende durch Ankäufe zu fördern. 1861 richtet der Kunstverein erstmals die „Schweizerische Kunstausstellung“ in der ehemaligen Postremise (an der Stelle des heutigen Kunsthauses) aus. Aus diesen fortan im Zweijahresturnus durchgeführten Ausstellungen erwerben der Kunstverein und der Kanton Aargau regelmässig Werke (u. a. von Albert Anker, Otto Frölicher, Rudolf Koller, Adolf Stäbli und Johann Gottfried Steffan) und legen damit den Grundstock für die herausragende Sammlung an Schweizer Kunst. Mangels öffentlichem Ausstellungs- und Aufbewahrungsort wird die noch kleine, aber hochwertige Sammlung zunächst im Schlössli Aarau, in Regierungs- und Grossratsgebäude sowie Privathäusern ausgestellt bzw. verwahrt. 1887 erfolgt eine Eingabe bei der Aargauer Regierung zur Errichtung eines Museums, welches 1895 als Aargauisches Gewerbemuseum (in einem Bau der Architektengemeinschaft Curjel und Moser) eröffnet wird und neben der Aargauischen Kunstsammlung weitere kantonale Sammlungen beherbergt. Ab diesem Zeitpunkt wird die Sammlung durch einen Konservator betreut, wobei auch die Ausstellungstätigkeit stetig zunimmt. Aufgrund ungenügender Raumverhältnisse schreibt der Aargauische Regierungsrat 1937 einen Wettbewerb für einen Neubau aus, der Kunsthaus und Kantonsbibliothek unter einem Dach vereinen soll. 1944 folgt die Gründung des Vereins der „Freunde der Aargauischen Kunstsammlung“ zum Zwecke der Förderung der Aargauischen Kunstsammlung durch besondere Ankäufe. Erst 1956 bis 1959 wird der Bau des neuen Kunsthauses nach einem Entwurf der Badener Architekten Loepfe, Hänni & Haenggli errichtet.

Unter Heiny Widmer, der das Kunsthaus von 1974 bis 1984 leitet, erhält das Museum sein charakteristisches Profil und etabliert sich als national bedeutendes Institut. Durch das neue Kulturgesetz und die Gründung des Aargauer Kuratoriums 1969 wird das Kunsthaus von der Aufgabe der unmittelbaren Förderung lokaler Künstler durch Werkankäufe entbunden und kann verstärkt den Bezug zur Gegenwartskunst suchen, die z. B. in Form der Ateliergemeinschaft Ziegelrain in unmittelbarer Nähe liegt. Daneben werden wichtige Werke des 20. Jahrhunderts nachgekauft, die aufgrund der bislang prioritär regionalen Sammlungsausrichtung zu kurz gekommen sind, darunter Werke des Expressionismus und des Surrealismus.

Während der Direktionszeit von Beat Wismer (1985 bis 2007) werden weitere Lücken in der Sammlung des 20. Jahrhunderts geschlossen und insbesondere die Sammlung konstruktiver und konkreter Kunst ausgebaut. Durch die Erweiterung des Kunsthauses können ab 2003 neben den Wechselausstellungen permanent wichtige Teile der Sammlung umfassend präsentiert werden.

Seit dem 1. November 2007 steht das Aargauer Kunsthaus unter der Leitung von Madeleine Schuppli. Neben dem Schweizer Kunstschaffen, das weiterhin einen prominenten Platz einnimmt, gilt neu ein besonderes Augenmerk der internationalen, zeitgenössischen Kunst. Mit der 2008 geschaffenen Ausstellungsreihe „CARAVAN“ erhält ausserdem das junge Schweizer Kunstschaffen mehr Sichtbarkeit.

ArchitekturBearbeiten

Der von 1956 bis 1959 errichtete Bau der Badener Architekten Loepfe, Hänni & Haenggli stiess in den 1980er-Jahren aufgrund der wachsenden Sammlung an die Grenzen seiner räumlichen Kapazitäten. Deshalb wurde 2003 ein von Herzog & de Meuron sowie Rémy Zaugg entworfener Erweiterungsbau eröffnet. Dabei wurden markante architektonische Elemente des bestehenden Gebäudes, wie die Wendeltreppe, aufgenommen, sodass sich der Erweiterungsbau harmonisch in das bestehende Gebäude integriert. Neben weiteren Ausstellungsräumen wurde auch Platz geschaffen für u. a. Depots, die Kunstvermittlung und eine Handbibliothek. Das Foyer mit Café und Buchhandlung öffnet das Museum mit seiner transparenten Fassade zur Stadt hin.

SammlungBearbeiten

Geschichte und SchwerpunkteBearbeiten

Die Sammlung des Aargauer Kunsthauses geht auf die Sammeltätigkeit des Aargauer Kunstvereins zurück, die 1861 mit Ankäufen von Werken von Albert Anker, Rudolf Koller und Arnold Böcklin ihren Anfang nimmt. Damals wie heute folgt das Sammlungskonzept der Maxime, Werke von zeitgenössischen Kunstschaffenden anzukaufen, denen eine längerfristige kunsthistorische Relevanz attestiert wird. Aus dieser Sammlungsstrategie resultiert die umfassendste öffentliche Sammlung an Schweizer Kunst vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart, wobei im Laufe der Geschichte verschiedene Akzente gesetzt wurden, die heute das besondere Gesicht der Sammlung prägen.

Schwerpunkte im älteren Teil der Sammlung bilden Werke von Caspar Wolf oder Johann Heinrich Füssli. Die frühe Moderne wird durch wichtige Werke von Ferdinand Hodler, Giovanni Giacometti und Cuno Amiet repräsentiert. Weiter spannt die Sammlung den Bogen über Ernst Ludwig Kirchner, die Schweizer Expressionisten wie Albert Müller oder Hermann Scherer, Zürcher Konkrete wie Max Bill, Verena Loewensberg oder Sophie Taeuber-Arp, den künstlerischen Aufbruch der 1960er-Jahre bis hin zur Gegenwartskunst mit bspw. John M. Armleder, Silvia Bächli und Eric Hattan, Fischli/Weiss, Mai-Thu Perret, Pipilotti Rist, Ugo Rondinone, Teresa Hubbard / Alexander Birchler, Taiyo Onorato / Nico Krebs, Shirana Shahbazi, Christian Marclay, Silvie Defraoui, Vaclav Pozarek, Albrecht Schnider, Thomas Hirschhorn und Beni Bischof. Neben etablierten zeitgenössischen Positionen werden stets auch sehr junge Kunstschaffende berücksichtigt.

Daneben liegt es in der Tradition des Aargauer Kunsthauses, auch künstlerischen Einzelpositionen Aufmerksamkeit zu schenken, die fernab der Avantgarden oder des Kunstmarktes agierten, darunter Karl Ballmer, Otto Meyer-Amden, René Auberjonois, Louis Soutter, Emma Kunz und Ilse Weber. Dank einer Vielzahl an umfassenden Schenkungen aus Privatbesitz erfährt das auf Schweizer Kunst konzentrierte Sammlungskonzept im Laufe der Zeit eine Öffnung gegenüber der internationalen Kunst, wie etwa dem deutschen Expressionismus.

Der Bestand des Aargauer Kunsthauses setzt sich sowohl aus der Sammlung des Kantons wie auch jener des Kunstvereins zusammen. Im Jahr 2018 umfasst er über 18'000 Werke unterschiedlichster Gattungen, darunter ist neben der Malerei vor allem die Grafik in Form von Zeichnungen und Druckgrafiken prominent vertreten.

SammlungsvermittlungBearbeiten

Das Aargauer Kunsthaus weist seiner Sammlung und deren Vermittlung einen hohen Stellenwert zu. Regelmässig wechselnde Präsentationen der Bestände sowie thematische und gattungsspezifische Sonderausstellungen mit Werken aus der Sammlung ermöglichen einen vertieften Einblick in die Bestände und befördern neben Schlüsselwerken oft Unbekanntes zutage.

Beim Veranstaltungsformat Bild des Monats steht in regelmässigem Turnus ein ausgewähltes Werk aus der Sammlung im Mittelpunkt und wird an wöchentlichen Kunstbetrachtungen näher vorgestellt.[1]

Mit dem 2015 lancierten Projekt Sammlung Online stellt das Aargauer Kunsthaus einem interessierten Publikum Informationen zu ausgewählten Werken aus der Sammlung in digitaler Form zur Verfügung.[2]

AusstellungenBearbeiten

ProgrammkonzeptBearbeiten

Das Aargauer Kunsthaus präsentiert jährlich rund zehn Wechselausstellungen, wobei thematische Gruppenschauen mit Retrospektiven und Einzelpräsentationen alternieren. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Schweizer Kunst vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Mit Ausstellungen wie «Stille Reserven. Schweizer Malerei 1850–1950» (2013), «Swiss Pop Art» (2017) oder «Surrealismus Schweiz» (2018) werden bislang weitestgehend vernachlässigte Kapitel der Schweizer Kunstgeschichte aufgearbeitet und für ein breites Publikum zugänglich gemacht. Gleichzeitig wird das Ausstellungsprogramm durch ausgewählte internationale Positionen der zeitgenössischen Kunst geprägt, die häufig noch nie zuvor in der Schweiz ausgestellt wurden.[3] Eine 2008 ins Leben gerufene CARAVAN – Ausstellungsreihe für junge Kunst bietet Begegnungen mit der jungen Schweizer Kunst sowie die Gelegenheit, noch nicht etablierte Positionen zu entdecken und zu fördern.[4]

Die Auswahl bietet jeweils zum Jahresende den regionalen Kunstschaffenden eine Plattform, um ihre neuesten Werke zu präsentieren.

Im Zweijahresturnus zeigt das Aargauer Kunsthaus den Preisträger des Manor Kunstpreises Aarau, einem der wichtigsten nationalen Förderpreise des zeitgenössischen Kunstschaffens.

Als Publikumserfolg hat sich das seit 2014 jährlich stattfindende Ausstellungsformat Blumen für die Kunst etabliert. Zusammen mit dem Verein «Flowers to Arts» lässt das Aargauer Kunsthaus Meisterfloristen Werke der Sammlung floral interpretieren und eröffnet damit einen interdisziplinären Dialog.[5]

VermittlungsangebotBearbeiten

Das Aargauer Kunsthaus bietet Besuchern ein breitgefächertes Vermittlungsprogramm. Hauptinteressensgruppen sind neben Erwachsenen auch Schulen, Kinder und Familien sowie Menschen mit Beeinträchtigungen.[6][7]

TriviaBearbeiten

Das Aargauer Kunsthaus diente im Sommer 2016 als Drehort der erfolgreichen Krimiserie Der Bestatter des Schweizer Radio und Fernsehen und war in vier der insgesamt sechs Folgen der fünften Staffel als Schaustätte zu sehen. Eine Schlüsselrolle spielte dabei das Gemälde Das Kinderbegräbnis (1863) von Albert Anker.

LiteraturBearbeiten

  • Stephan Kunz, Gerhard Mack, Beat Wismer (Hrsg.): Ein Kunst Haus. Sammeln und Ausstellen im Aargauer Kunsthaus. Aarau 2007, ISBN 978-3-905004-30-4.
  • BNP Paribas Schweiz (Hrsg.): Aargauer Kunsthaus Aarau. Museen der Schweiz. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich 2003.
  • Stephan Kunz: Die heimliche Nationalgalerie. In: Schweizer Monatshefte. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft, Kultur. Heft 07/08, Juli/August 2007, S. 26.
  • Stephan Kunz, Madeleine Schuppli, Mara Züst (Hrsg.): Memorizer. Der Sammler Andreas Züst. Verlag Scheidegger & Spiess, 2009, ISBN 978-3-85881-249-0.
  • Madeleine Schuppli, Aargauer Kunsthaus, Aarau (Hrsg.): Swiss Pop Art. Formen und Tendenzen 1962–1972. Verlag Scheidegger & Spiess, 2017, ISBN 978-3-85881-536-1.
  • Thomas Schmutz (Aargauer Kunsthaus, Aarau), Tayfun Belgin (Osthaus Museum Hagen), Wolf Eiermann (Museum Georg Schäfer, Schweinfurt), Otto Letze (Institut für Kulturaustausch, Tübingen) (Hrsg.): Back to Paradise. Meisterwerke des Expressionismus aus dem Aargauer Kunsthaus und aus dem Osthaus Museum Hagen. Hirmer Verlag, München, 2017, ISBN 978-3-7774-2949-6.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bild des Monats | Aargauer Kunsthaus. Abgerufen am 1. Mai 2019.
  2. Aargauer Kunsthaus - Sammlung Online. Abgerufen am 1. Mai 2019.
  3. Ausstellungen | Aargauer Kunsthaus. Abgerufen am 1. Mai 2019.
  4. «Ausstellungsreihe für junge Kunst» – Caravan, Aargauer Kunsthaus. Abgerufen am 1. Mai 2019.
  5. FLOWERS TO ARTS. Abgerufen am 1. Mai 2019 (deutsch).
  6. Veranstaltungen | Aargauer Kunsthaus. Abgerufen am 1. Mai 2019.
  7. Kunstvermittlung | Aargauer Kunsthaus. Abgerufen am 1. Mai 2019.