ADAC Luftrettung

Luftrettungsdienst des deutschen Automobilclubs ADAC

Die ADAC Luftrettung gGmbH ist eine deutsche Luftrettungsorganisation und betreibt zahlreiche Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber, die Teil des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstsystems in Deutschland sind. Die gemeinnützige Gesellschaft ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der ADAC Stiftung und zählt zu den größten Luftrettungsorganisationen Europas. Die ADAC Luftrettung betreibt rund 50 Rettungshubschrauber der Typen EC135 und H145, die von 37 Stationen aus zu rund 54.000 Einsätzen im Jahr starten. Die Alarmierung erfolgt über den Euronotruf (112).

ADAC Luftrettung gGmbH
Rechtsform gemeinnützige GmbH
Gründung 1981
Sitz München, Deutschland Deutschland
Leitung Frédéric Bruder
Mitarbeiterzahl 290 (2019)
Umsatz 121 Mio. Euro (2019)[1]
Branche Luftrettung
Website www.luftrettung.adac.de
Stand: 31. Dezember 2019
ADAC-Rettungshubschrauber in Hamburg, Juli 2020

GeschichteBearbeiten

Als die Zahl der Verkehrstoten 1967 in Westdeutschland 20.000 erreichte, verlangten Notfallmediziner eine bessere Versorgung von Verletzten. Ein neues Konzept der Erstversorgung entstand: Es brachte den Notarzt auf dem schnellsten Weg zum Patienten und nicht mehr umgekehrt. Der ADAC griff diese Idee auf und führte Ende der 1960er Jahre einen Probelauf mit angemieteten Hubschraubern durch. Der Weg durch die Luft bewährte sich, denn Unfallopfer konnten schneller qualifiziert versorgt und in eine geeignete Klinik gebracht werden. Mit Christoph 1 wurde am 1. November 1970 der erste zivile permanent betriebene Rettungshubschrauber in München-Harlaching stationiert.

Gegründet wurde die ADAC Luftrettung am 25. November 1981 unter dem Namen Arbeitskreis des ADAC zur Förderung der Luftrettung und zur Hebung der allgemeinen Verkehrssicherheit (ADAC-Luftrettung) Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Am 29. März 2000 wurde die Gesellschaft umbenannt in ADAC-Luftrettung GmbH, am 26. August 2013 in ADAC Luftrettung gGmbH.[2] Im Zuge der Reorganisation des ADAC in einem "Drei-Säulen-Modell" wurde die ADAC Luftrettung gGmbH 2017 Tochtergesellschaft der gemeinnützigen ADAC Stiftung.

Im März 2019 flog die ADAC Luftrettung ihren einmillionsten Einsatz.

 
Geschäftsführer Frédéric Bruder bei der Einweihung eines Dachlandeplatzes in Straubing (2014)

Geschäftsführer ist seit 25. September 2012 Frédéric Bruder.

StationenBearbeiten

 
36 von 37 Standorten der ADAC Luftrettung. (Außer Imsweiler / Christoph 66)

An 37 Stationen sind die Crews der ADAC Luftrettung täglich einsatzbereit. Die ADAC Luftrettung betreibt damit fast die Hälfte der über 80 Luftrettungsstandorte in Deutschland (Stand 2020), zusätzlich gibt es mit Christophorus Europa 3 noch eine Station in Österreich.

Die Rettungshubschrauber starten in der Regel von Sonnenaufgang (frühestens 7:00 Uhr) bis Sonnenuntergang. Ihr Einsatzradius beträgt 50–70 km. Drei Stationen sind rund um die Uhr in Betrieb. Für den Einsatz in unwegsamem Gelände sind vier weitere mit einer Rettungswinde ausgestattet. An ausgewählten Stationen stehen außerdem Intensivtransporthubschrauber zur Verfügung.

RettungseinsätzeBearbeiten

Neben dem Primäreinsatz, der Notversorgung und dem Transport von Verletzten, kann die ADAC Luftrettung auch spezielle Einsätze wahrnehmen. Dazu zählen etwa Sekundäreinsätze, bei denen Intensiv- oder Notfallpatienten von einer Klinik in eine Spezialklinik verlegt werden. Zu einem Interhospitalflug zählt auch der Transport von wichtigen Medikamenten, Blutkonserven oder Organen.

Für die notärztliche Versorgung in der Nacht betreibt die ADAC Luftrettung drei spezialisierte Stationen, die rund um die Uhr in Betrieb sind. Bei Dunkelheit finden überwiegend Verlegungsflüge von einem Krankenhaus in eine Spezialklinik statt – von einem beleuchteten Landeplatz zum anderen. Darüber hinaus können jedoch auch Notfalleinsätze erfolgen, die eine Landung in einem unbekannten und unbeleuchteten Gebiet verlangen. Dafür sind die Hubschrauber mit Nachtsichtgeräten ausgestattet.

Vier Stationen der ADAC Luftrettung können für Windenrettungen genutzt werden. Mit der Rettungswinde können Patienten auch in unwegsamem Gelände geborgen und durch den Notarzt versorgt werden. Die Winde ermöglicht es, die Crew sicher am Boden abzusetzen, während der Hubschrauber weiter über der Einsatzstelle schwebt. Bei diesen Einsätzen ist in der Regel auch ein Windenoperator mit an Bord. Die Winde wird im Alpenraum, an der Küste über dem Meer oder bei der Inselrettung eingesetzt. Darüber hinaus ist sie in Waldgebieten oder im Katastrophenfall wie zum Beispiel bei Hochwasser hilfreich.

BesatzungBearbeiten

Die Besatzung besteht immer aus Piloten, einem Notarzt und einem Notfallsanitäter.[3] Für besondere Einsätze ist als weiteres Mitglied ein Windenoperator an Bord. Piloten, speziell geschulte Notfallsanitäter und Windenoperatoren werden auch als HEMS Technical Crew Members (HEMS TC) bezeichnet.

Die Notärzte der ADAC Luftrettung sind Fachärzte aus den Bereichen Anästhesie, Chirurgie oder Innere Medizin. Sie sind hauptberuflich in den Kliniken tätig, an die die Luftrettungsstationen angebunden sind. Alle Notärzte verfügen über eine umfangreiche intensiv- und notfallmedizinische Expertise sowie fundierte Erfahrungen in der bodengebundenen Rettung.

Die Rettungsassistenten und Notfallsanitäter sind wie die Piloten auch bei der ADAC Luftrettung angestellt oder kommen von ortsansässigen Hilfsorganisationen, Feuerwehren oder Kliniken.

Bei einem Windeneinsatz kann der Hubschrauberpilot die Einsatzstelle, über der er schwebt, nicht selbst sehen. Daher agiert der Windenoperator an der geöffneten Tür als „Auge“ und Navigator für den Piloten. Er dirigiert den Hubschrauber in die richtige Position und seilt die medizinische Crew über dem Einsatzort ab. In der Regel wird die Aufgabe des Windenoperators von einem zweiten HEMS TC mit Zusatzqualifikation Winde (TC HHO für Helicopter Hoist Operator) ausgeführt.

Die ADAC HEMS Academy in Bonn Hangelar ist für die Aus- und Weiterbildung der Besatzungen zuständig.

AusstattungBearbeiten

Technische AusstattungBearbeiten

Die Hubschrauber besitzen eine Zulassung nach CAT A und sind mit allen Geräten für einen Instrumentenflug ausgestattet. Die Abstimmung mit den Kliniken oder der Leitstelle erfolgt via Satellitentelefon oder Digitalfunkgerät. Damit die Hubschrauber noch schneller und effizienter eingesetzt werden können, nutzen sie das Flight-Following-System „Rescuetrack“: Es übermittelt den genauen Standort an die Leitstelle und unterstützt den Piloten bei der Bestimmung des Zielortes.

Medizinische AusstattungBearbeiten

Die Rettungshubschrauber sind mit Monitorsystemen zur Überwachung von Herzrhythmus, Blutdruck und Sauerstoffgehalt des Blutes, einem Defibrillator und Beatmungsgeräten ausgestattet. Darüber hinaus stehen Systeme zur Kreislaufsicherung und Traumaversorgung zur Verfügung. Für die Betreuung des Patienten außerhalb des Hubschraubers sind alle notwendigen Medikamente, Materialien und Geräte zusätzlich in Notfallrucksäcken griffbereit.

LiteraturBearbeiten

  • Benjamin Homberg: Wir fliegen damit Sie leben. 15 Jahre organisierte Luftrettung. EFB-Verlag, Hanau 1985, ISBN 978-3-88776-022-9.
  • Gerhard Kugler: ADACOPTER-2, Erinnerungen. Wolfsfellner Medizin-Verl., München 2010, ISBN 978-3-933266-62-0.
  • ADAC-Stationsatlas „Christoph – bitte kommen!“, Ausgabe 2011/12, Hrsg. ADAC-Luftrettung GmbH, Verlag/Realisation Werner Wolfsfellner MedizinVerlag, München 2011, ISBN 978-3-933266-71-2; mit Vorwort der Herausgeber Friedrich Rehkopf, Susanne Matzke-Ahl
  • Holger Scholl, Handbuch Luftrettung: Organisation, Einsatz, Taktik und Technik, S + K, Verlagsgesellschaft Stumpf + Kossendey mbH, 2018, ISBN 978-3-943174-93-9; mit Inhaltsverzeichnis, S. 87 ff

WeblinksBearbeiten

Commons: ADAC Luftrettung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jahresabschluss zum 31. Dezember 2019. In: Bundesanzeiger, 12. August 2020, abgerufen im Unternehmensregister am 18. September 2020.
  2. Handelsregister beim Amtsgericht München, HRB 7637.
  3. Unsere Crew - ADAC Luftrettung. Abgerufen am 18. Januar 2022.