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21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ (albanische Nr. 1)

Die 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ (albanische Nr. 1) war eine Gebirgs-Division der Waffen-SS während des Zweiten Weltkrieges. Sie bestand vorwiegend aus Albanern unter deutschem Kommando.

21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ (albanische Nr. 1)
Wappen der 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“

Truppenkennzeichen
Aktiv Mai 1944 bis Jahreswechsel 1944/45
Land Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Streitkräfte Flag of the Schutzstaffel.svg Waffen-SS
Truppengattung Gebirgsjäger
Typ Division
Grobgliederung Siehe Gliederung
Schlachten Partisanenkrieg in Jugoslawien
Kommandeur
Liste der Kommandeure

Die Division wurde vornehmlich auf dem Balkan gegen die Jugoslawische Volksbefreiungsarmee eingesetzt. Als selbständige Einheit existierte die Division bis zum Dezember 1944. Angehörige dieses Truppenverbands verübten im Kosovo und den angrenzenden Regionen Kriegsverbrechen an der serbischen Zivilbevölkerung. Die Einheit war zudem für die Deportation einiger hundert Juden aus dem Kosovo ins KZ Bergen-Belsen verantwortlich.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Aufstellung und OrganisationBearbeiten

Der Vorsitzende der im September 1943 von Deutschland initiierten Zweiten Liga von Prizren unterbreitete den Deutschen im März 1944 den Vorschlag, 120–150.000 Freiwillige für den Kampf gegen jugoslawische Partisanen aufzustellen.[1] Auf Verfügung vom 17. April wurde deshalb am 1. Mai 1944 im Raum Peć/Priština/Prizren die Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ (albanische Nr. 1) errichtet. Die albanische Kollaborationsregierung hatte eine Liste von über 11.000 möglichen Rekruten nach Berlin gesandt, von denen die SS letztlich 9.275 Mann für geeignet hielt. Es wurden jedoch nur 6.500 Mann tatsächlich für die Division rekrutiert. Dazu kamen noch 300 Albaner, die vorher in der kroatischen SS-Division „Handschar“ gedient hatten. Deutsche Offiziere und Veteranen ergänzten den Personalbestand und dienten als Kader. Insgesamt hatte die Division bei ihrer Aufstellung einen Mannschaftsstand von etwas über 8.500 Soldaten und war in zwei Infanterieregimenter, ein Artillerieregiment sowie eine Aufklärungsabteilung, eine Nachrichten-Abteilung, eine Panzerjäger-Abteilung und ein Pionierbataillon gegliedert. Kommandeur der Division war der SS-Standartenführer August Schmidhuber.

Die Namensgebung wurde analog zu anderen aus Ausländern rekrutierten Verbänden vorgenommen. Divisionen, die aus Angehörigen der so genannten „nordischen Rasse“ bestanden, wurden als SS-Divisionen bezeichnet, Formationen aus Angehörigen als rassisch oder sonst minderwertig angesehenen Gruppen als Waffen-Divisionen der SS.

Die albanischen Rekruten stammten zum größten Teil aus dem Kosovo. Dafür gibt es zwei Gründe: In Albanien hatte die Kollaborationsregierung kaum noch Rückhalt, und weite Teile des Landes wurden bereits von den kommunistischen Partisanen beherrscht. Außerdem war die Feindschaft zu Serben außerhalb des Kosovo, das während des Krieges mit anderen von Albanern besiedelten Gebieten zu einem Großalbanien vereint war, weniger stark ausgeprägt. Kosovarische Albaner ließen sich für die SS-Division Skanderbeg rekrutieren, weil sie gegen die Serben beziehungsweise die jugoslawisch dominierten Partisanen im Kosovo eingesetzt werden sollten. Die SS machte sich also die Feindschaft unter den Balkan-Völkern zunutze, als sie die neue Einheit aufstellte. Aus diesem Grund erhielt die Division auch den Namen des albanischen Nationalhelden Skanderbeg.

Einsatz, Kriegsverbrechen und AuflösungBearbeiten

Die SS-Division Skanderbeg sollte zur Partisanenbekämpfung in Jugoslawien eingesetzt werden. Während des Sommers operierte sie im Kosovo und im Norden Mazedoniens weniger als militärischer Verband, denn als Terrororganisation gegen die Zivilbevölkerung. Eine unbekannte, aber zweifellos große Zahl von Serben wurde innerhalb weniger Wochen ermordet bzw. aus dem Kosovo vertrieben. Schmidhuber meldete schon im April 1944, dass 40.000 Serben aus dem Kosovo vertrieben worden waren. Der SS-Führer ging davon aus, dass noch weitere 100.000 Serben vertrieben werden sollten.

Im Mai 1944 ordnete er die Errichtung des Konzentrationslagers Priština als „Erziehungslager“ für politisch, insbesondere kommunistisch Verdächtige und Schuldige an. Als Wachmannschaften wurden gediente Freiwillige der SS-Division Skanderbeg eingeteilt.

Am 28. Juli 1944 ermordeten Angehörige der Division im Dorf Veliko 380 Einwohner, darunter 120 Kinder, und setzten 300 Häuser in Brand. Die Juden im Kosovo wurden, soweit sie nicht hatten fliehen können, gefangen genommen und ins KZ Bergen-Belsen deportiert. In Skopje unterstand der Einheit ein Lager, in das die mazedonischen Juden verbracht wurden, bevor man sie in deutsche KZs abtransportierte. Die Gewalt der SS-Einheit richtete sich auch gegen die Volksgruppe der Roma.

Militärische Erfolge gegen die Tito-Partisanen konnte die Division nicht erringen. Die Partisanen kontrollierten zu diesem Zeitpunkt schon weite Teile des Kosovo, praktisch den ganzen Süden Serbiens um Vranje und die angrenzenden mazedonischen Gebiete. Im Operationsgebiet der Division riefen die Tito-Partisanen am 2. August 1944 die Republik Mazedonien aus.

Die Kampfkraft der albanischen Division war gering und viele ihrer Angehörigen verabschiedeten sich nun aus dem bereits verlorenen Krieg. Aufgrund der hohen Desertionsrate wurde im September 1944 beschlossen, die Division aufzulösen. Wie im Fall der bosnischen SS-Division „Handschar“ bildete das deutsche Personal eine Kampfgruppe, die dann im Verband der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ weiterkämpfte.

Im Oktober 1944 wurde die Division nach Skopje verlegt. Im August war Bulgarien aus dem Krieg ausgeschieden und das vormals bulgarische Besatzungsgebiet musste nun von deutschen Truppen kontrolliert werden, damit der Rückzugsweg für die in Griechenland stehenden Verbände offen blieb. Die Truppe musste nun gegen die mittlerweile mit der Sowjetunion verbündeten Bulgaren kämpfen.

Zum Jahreswechsel 1944/45 existierte die Division nicht mehr als eigenständiger Verband. Die Reste der Truppe gingen im Januar 1945 nach Kosovska Mitrovica zurück. Wenige Soldaten erreichten über Brčko im Norden Bosniens bis zum Mai 1945 Österreich, wo sie das Kriegsende erlebten.

NachwirkenBearbeiten

Die SS-Division Skanderbeg und die von ihr verübten Kriegsverbrechen wurden in den 1990er Jahren zum Thema der Geschichtspolitik und darüber hinaus für den Kosovo-Konflikt instrumentalisiert.

Der Journalist Chris Hedges erhob 1999 den Vorwurf, Teile der UÇK gehörten zur faschistischen Rechten, weil sie Söhne oder Enkel von Angehörigen der SS-Division oder von „Kaçak“-Rebellen der 1920er Jahre seien[2]. Demgegenüber wies Noel Malcolm darauf hin, dass die Zahl der Nachkommen von SS-Divisionsangehörigen, bedenkt man den geringen Mobilisierungserfolg –der Höchststand der Division betrug 6491 Mann–zu vernachlässigen sei. Auch sei für die Mobilisierung keine faschistische Ideologie maßgeblich gewesen, sondern meist der Wunsch, eine Rückkehr des Kosovo unter die Führung Belgrads nach einem Sieg der Tito-Partisanen zu verhindern[3].

GliederungBearbeiten

  • Waffen-Gebirgsjäger-Regiment der SS 50 (albanisches Nr. 1) (I. – III.)
  • Waffen-Gebirgsjäger-Regiment der SS 51 (albanisches Nr. 2) (I. – III.)
  • Waffen-Gebirgs-Artillerie-Regiment der SS 21 (albanisches Nr. 1) (I. – IV.)
    • SS-Gebirgs-Aufklärungs-Abteilung 21
    • SS-Sturmgeschütz-Abteilung „Skanderbeg“
    • SS-Gebirgs-Panzerjäger-Abteilung 21
    • SS-Gebirgs-Pionier-Bataillon 21
    • SS-Gebirgs-Nachrichten-Abteilung 21
    • SS-Sanitäts-Abteilung 21
    • SS-Wirtschafts-Bataillon 21
    • SS-Divisionstruppen 21
    • SS-Gebirgs-Feldersatz-Bataillon 21

KommandeureBearbeiten

  • April bis 1. Mai 1944 SS-Brigadeführer Josef Fitzthum
  • 1. Mai 1944 bis Januar 1945 SS-Brigadeführer August Schmidhuber
  • SS-Obersturmbannführer Alfred Graf (i. V.)

LiteraturBearbeiten

  • Chris Bishop: SS – Hitler’s Foreign Divisions. Foreign Volunteers in the Waffen SS, 1940–45. Spellmount, Staplehurst 2005, ISBN 1-86227-289-1.
  • Albert Ramaj: Bedrängte Juden im Kosovo im Zweiten Weltkrieg. In G2W, (Zürich), 2/2007, S. 20–21.
  • Nicholas J. Costa, Shattered Illusions. Albania, Greece and Yugoslavia. Columbia University Press, New York 1998, ISBN 0-88033-418-5.
  • Bernd Jürgen Fischer: Albania at War, 1939–1945. Purdue University Press, West Lafayette 1999, ISBN 1-55753-141-2.
  • Laurent Latruwe, Gordana Kostic, La division Skanderbeg. Histoire des Waffen-SS albanais des origines idéologiques aux débuts de la guerre froide. Godefroy de Bouillon, Paris 2004. ISBN 2-84191-172-1.
  • Georg H. Stein, The Waffen-SS. Hitler's Elite Guard at War. Cornell University Press, Ithaca 1966. ISBN 0-8014-9275-0.
  • Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 4. Die Landstreitkräfte 15–30. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Osnabrück 1976, ISBN 3-7648-1083-1.
  • Franziska A. Zaugg: Albanische Muslime in der Waffen-SS: Von „Großalbanien“ zur Division „Skanderbeg“. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2016, ISBN 978-35-067-8436-0.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Serbien und Montenegro: Raum und Bevölkerung – Geschichte – Sprache und Literatur – Kultur – Politik – Gesellschaft – Wirtschaft – Recht; LIT-Verlag 2006, Seite 286.
  2. Kosovo's Next Masters? Chris Hedges, Foreign Affairs, Mai/Juni 1999
  3. Response by Noel Malcolm, Washington Times, 4. Juni 1999, auf der Website des Bosnian Institute, London