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1. Kosaken-Division

Kavalleriedivision der Wehrmacht

Die 1. Kosaken-Division, auch 1. Kosakenkavalleriedivision, war eine Kavalleriedivision der Wehrmacht, die vor allem aus Kosaken bestand. Aufgestellt wurde sie am 4. August 1943 aus dem „Reiterverband Pannwitz“. Kommandeur war General Helmuth von Pannwitz.

1. Kosaken-Division
1st Cossacks Division.svg

Truppenkennzeichen
Aktiv 4. August 1943 bis April 1945 (Kapitulation)
Land Flag of Germany (1935–1945).svg Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Teilstreitkraft Heer
Truppengattung Kavallerie
Stärke Zuletzt: 25.000
Zweiter Weltkrieg Deutsch-Sowjetischer Krieg
Kommandeure
Kommandeur Helmuth von Pannwitz
Kosak der Wehrmacht, 1941

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Unter den sowjetischen Hilfswilligen, die nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion in der Wehrmacht dienten, befanden sich auch übergelaufene Kosakenverbände. In der deutschen Wehrmacht dienten sowohl Kosaken-Emigranten als auch sowjetische Angehörige der Kosaken-Bevölkerung der annektierten Gebiete. Es entstanden nach und nach größere Kavallerieeinheiten und -verbände, vorwiegend aus Donkosaken, Kubankosaken und Terekkosaken. Viele Kosaken hegten wegen ihrer Gegnerschaft zur stalinistischen Herrschaft Sympathien für die deutsche Seite. Die deutsche Propaganda versprach zudem, einen unabhängigen Kosakenstaat zu gründen.[1]

Der Rückzug nach der Niederlage in der Schlacht von Stalingrad wurde von zahlreichen Kosaken begleitet, die in der Wehrmacht dienten. Da von deutscher Seite befürchtet wurde, dass die Kavalleriedivision der Kosaken an der Ostfront mit der beginnenden Niederlage nicht mehr zuverlässig sein könnte, wurde diese auf dem Balkan eingesetzt.[2]

Die im Sommer 1943 auf dem Truppenübungsplatz Mielau in Ostpreußen aufgestellte 1. Kosaken-Kavallerie-Division zählte etwa 10.000 Mann. Sie war der einzige Großverband aus Kosaken im Osten. Den Stamm der Division bildeten die Kosaken des Auffanglagers Cherson in der Ukraine, Kosaken vom Don, Kuban, Terek, aus Sibirien, Transbaikalien und Ussurien. Das Offiziers- und Unteroffizierkorps wurde aus ehemaligen Kriegsgefangenen der Roten Armee und aus nach dem Ersten Weltkrieg emigrierten Kosaken westlicher Länder gebildet, die sich zur Kollaboration bereit erklärt hatten. Organisationsform, Bewaffnung und Ausrüstung entsprachen der einer ostpreußischen Kavallerie-Brigaden.

Im November 1944 übernahm die Waffen-SS formal die Kontrolle über sämtliche Kosakenverbände und ging daran, das XV. Kosaken-Kavallerie-Korps aus zwei Kosakendivisionen zu bilden. Die SS übte jedoch nur formal eine rein administrative Kontrolle über die Kosakentruppe der Wehrmacht aus, da diese weiterhin unter deren operativen Führung stand.

Die Kampfstärke aller Kosakeneinheiten betrug zu Kriegsende etwa 25.000 Mann, und hatte damit Korpstärke, die jedoch nur in Jugoslawien zur Partisanenbekämpfung zum Einsatz kamen. Die 1. Kosaken-Kavallerie-Division beging dabei eine Vielzahl von Kriegsverbrechen mit Plünderungen, Vergewaltigungen und Erschießungen im jugoslawischen Aufstandsgebiet.[3] Andere Kosaken wurden nach der Ausbildung auch in regulären Infanterieeinheiten eingesetzt.

Ende Februar 1945 wurde die 1. Kosaken-Kavallerie-Division von Oberst von Baath kommandiert, und operierte im Bereich der 2. Panzerarmee in Kroatien – Gliederung:

  • Don-Kosaken-Reiter-Regiment 1 (Oberst Wagner)
  • Sibirisches-Kosaken-Reiter-Regiment 2 (Oberst Freiherr Ernst Gustav von Nolcken)
  • Kuban-Kosaken-Regiment 4 (Oberstleutnant von Klein)
  • Kosaken-Artillerie-Regiment 1 (nicht aufgestellt)

Bei Kriegsende 1945 flohen etwa 35.000 Kosaken, und neben den Kampfverbänden auch deren Familienangehörige, der sogenannten Kosakenstans, von Norditalien nach Kärnten und Osttirol, wo sie bei Lienz in britische Kriegsgefangenschaft kamen. Die Einheiten des XV. Kosaken-Kavallerie-Korps hatten sich bis über das Kriegsende hinaus kämpfend in den Raum Völkermarkt in Kärnten zurückgezogen. Erst am 12. Mai 1945 kam es zur Kapitulation gegenüber der britischen Armee, die in die Lienzer Kosakentragödie führte, bei der die Angehörigen der Wehrmacht und deren Familienangehörigen an die Rote Armee ausgeliefert und meist sofort liquidiert wurden. Eine Vielzahl der Kosaken beging vor der Auslieferung Selbsttötung.

Weitere Kosakenverbände der WehrmachtBearbeiten

  • Kosakenabteilung 600 (Wehrmacht), August 1941
  • Kosaken-Lehr- und Ausbildungs-Regiment 1 (Wehrmacht), August 1943, Truppenübungsplatz Mielau aufgestellt
  • Freiwilligen (Kosaken) Stamm-Regiment 5 (Wehrmacht), 17. März 1944
  • Kosaken-Abteilung 69 in der 3. Kavallerie-Division, Ende 1944 von Kosaken-Abteilung umbenannt
  • XV. SS-Kosaken-Kavallerie-Korps, 1. Februar 1945 in Kroatien aufgestellt, dem Korps unterstellt: 1. und 2. Kosaken-Division, 3. Kosaken-Division nur teilweise aufgestellt. Tatsächlich aber dürfte die SS nur eine rein administrative Kontrolle über die Kosaken ausgeübt haben.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Harald Stadler, Martin Kofler/Karl C. Berger: Flucht in die Hoffnungslosigkeit. Die Kosaken in Osttirol. Studien Verlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2005, ISBN 3-7065-4152-1.
  • Klaus Christian Richter: Die Geschichte der deutschen Kavallerie 1919–1945, Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Aufl. 1978, ISBN 3-87943-603-7.
  • Isaak Babel: Die Reiterarmee (Budjonnys Reiterarmee). Malik, Berlin 1926; aus d. Russ. neu übers., hrsg. u. komm. v. Peter Urban. Friedenauer Presse, Berlin 1994. (Orig. I. Babel: Konarmija. Moskva/Leningrad 1926). ISBN 3-921592-84-4.
  • Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 2. Die Landstreitkräfte 1–5. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Bissendorf 1973, ISBN 3-7648-0871-3.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://de.rbth.com/lifestyle/2014/03/20/die_letzte_schlacht_der_kosaken_28613
  2. Rolf-Dieter Müller: An der Seite der Wehrmacht. Hitlers ausländische Helfer beim „Kreuzzug gegen den Bolschewismus“ 1941–1945, Berlin, 2007, ISBN 978-3-86153-448-8, S. 207–212
  3. Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 5/2: Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereiches, Stuttgart 1999, ISBN 3-421-06499-7, S. 160