ʿAbdul-Baha'

Person der Bahai-Religion, Sohn des Religionsstifters Baha'ullah

ʿAbdul-Bahāʾ (arabisch عبد البهاء, DMG ʿAbd al-Bahāʾ ‚Diener der Herrlichkeit [Gottes]‘; * 23. Mai 1844 in Teheran, Iran; † 28. November 1921 in Haifa, Israel, damals Völkerbundsmandat für Palästina) war der Sohn des Religionsstifters Bahāʾullāh. Nach dessen Tod wurde er das religiöse Oberhaupt der Bahāʾī-Gemeinde und Ausleger der Heiligen Schriften seines Vaters. Durch sein humanitäres Engagement, seine Schriften und Ansprachen in vielen Ländern, erlangte er als Verfechter des Friedens und der Gerechtigkeit hohe Anerkennung.[1] Den Bahāʾī gilt ʿAbdul-Bahāʾ als moralisches Vorbild.

ʿAbdul-Baha' 1868
ʿAbdul-Baha' in Paris, wo er im Dezember 1911 seine Ansprachen hielt
ʿAbdul-Baha' mit Pilgern auf dem Berg Karmel im November 1919
ʿAbdul-Baha' wurde 1920 zum Ritter des Britischen Empires geschlagen
Die Beisetzung ʿAbdul-Baha's in Haifa am Berg Karmel

Sein bürgerlicher Name war ʿAbbas Effendi (persisch عباس افندی, DMG ʿAbbās Effendī). Er selbst wählte für sich den Ehrentitel ʿAbdul-Bahāʾ (Bahai-Transkription ‘Abdu’l-Bahá), der sich von Abd (arabisch, Diener) und Bahāʾ (arabisch, Herrlichkeit) ableitet.[2]

LebenBearbeiten

ʿAbdul-Baha' wurde in der Nacht des 23. Mai 1844 in Teheran geboren. In dieser Nacht erklärte der Bāb seine Sendung. Seine Mutter war Baha'ullahs erste Frau Asie Chanum. In seiner Kindheit erlebte er sowohl die Inhaftierungen und Verbannungen (die finale 1852) seines Vaters aufgrund religiöser Verfolgung als auch den Rückzug seines Vaters in die Berge Kurdistans (1854–1856). In enger Beziehung zu seinem Vater stehend arbeitete er bereits in seiner Jugend als dessen Sekretär und Vertreter gegenüber den Behörden und der Öffentlichkeit. Über die Jahre wurde seine Verantwortung immer umfangreicher.[3]

1873 heiratete er Munire Chanum (1847–1938, bürgerlicher Name: Fatime Nahri). Sie hatten neun Kinder, von denen vier Töchter das Erwachsenenalter erreichten.[3]

Einen Großteil seines Lebens verbrachte ʿAbdul-Baha' mit seinem Vater und seiner Familie in Gefangenschaft und Verbannung, unter anderem im Gefängnis ʿAkka. Sein Vater hatte ihn in seinem Testament, dem Buch des Bundes, eingesetzt, seine Schriften zu erläutern und die Gemeinde seiner Anhänger zu leiten.[3]

Noch als Gefangener begann er nach dem Tode seines Vaters, Bahāʾī nach Europa und den Vereinigten Staaten zu senden. Auf diese Weise entstanden unter anderem 1894 erste Gemeinden in Nordamerika und 1905 in Deutschland.[4] Zur Jahreswende 1898–99 trafen die ersten amerikanischen Pilger in Haifa ein. Gleichzeitig begann er im Iran, die ersten gewählten Gremien aufzubauen. Ebenso ließ er dort zunächst eine Jungen- und später eine Mädchenschule gründen.[5]

Erst im Alter von 64 Jahren erlangte er im Jahr 1908 infolge der jungtürkischen Revolution die Freiheit. Er ließ den Schrein des Bāb in Haifa fertigstellen und konnte 1909 dessen Leichnam endgültig beisetzen.[6]

Im Jahr 1910 begann ʿAbdul-Baha' seine Reisen, die ihn durch Ägypten, Europa, die Vereinigten Staaten und Kanada führten, um die Lehren seines Vaters bekannt zu machen. In Deutschland besuchte ʿAbdul-Baha' vom 1. bis 8. April 1913 in Stuttgart, Esslingen am Neckar und in Bad Mergentheim, und nach seiner Rückkehr von Wien (19. bis 24. April) und Budapest war er noch einmal in Stuttgart (25. April bis 1. Mai).[7][8]

Die Themen seiner Ansprachen im Westen vor den Mitgliedern der jungen Bahāʾī-Gemeinden und in der Öffentlichkeit drehten sich um Frieden, religiöse Toleranz, soziale Gerechtigkeit, die Rechte der Frau und die Überwindung rassischer Diskriminierung.[1] Viele seiner Ausführungen wurden aufgezeichnet und in Buchform veröffentlicht.[9][10] Während seiner Reisen in den Westen traf er Angehörige aller Schichten, darunter die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner.[11]

Ende 1913 kehrte er nach Haifa zurück. Kurz nach seiner Heimkehr brach der Erste Weltkrieg aus. Er ließ Getreide zurücklegen und verteilte es in der folgenden Hungersnot unter den Armen. Sein jahrelanger Einsatz für das Wohl der Menschen sicherte ihm die Hochachtung der Bevölkerung Palästinas und der britischen Mandatsmacht. ʿAbdul-Baha' wurde im Jahr 1920 in Anerkennung seiner humanitären Verdienste während der Kriegsjahre zum Ritter des britischen Empires geschlagen.[12][13]

Er ernannte seinen ältesten Enkel Shoghi Effendi zu seinem Nachfolger als „Hüter des Bahai-Glaubens“.[14]

Der Todestag ʿAbdul-Baha's, der 28. November 1921, gilt als Gedenktag im Bahai-Kalender. Die Beisetzung ʿAbdul-Baha's im Schrein des Bab am Berg Karmel wurde von der Teilnehmerzahl her zur bislang größten Demonstration gemeinsamer Betroffenheit und Trauer sämtlicher Religions- und Bevölkerungsgruppen Palästinas.[12]

WerkeBearbeiten

Deutsch

Englisch

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Hoda Mahmoudi, Janet A. Khan: A world without war : 'Abdu'l-Bahá and the discourse for global peace. Bahá'í Publishing, Wilmette, Illinois 2020, ISBN 978-1-61851-166-9.
  2. Manfred Hutter: Handbuch Baha’i. Geschichte – Theologie – Gesellschaftsbezug. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-019421-2, S. 46–50.
  3. a b c Manfred Hutter: Handbuch Bahāʾī: Geschichte – Theologie – Gesellschaftsbezug. W. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-019421-2, S. 46.
  4. Manfred Hutter: Handbuch Bahāʾī: Geschichte – Theologie – Gesellschaftsbezug. W. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-019421-2, S. 48–49.
  5. Robert H. Stockman: Bahá'í faith : a guide for the perplexed. Bloomsbury, London 2013, ISBN 978-1-4411-0447-2, S. 110–112.
  6. Manfred Hutter: Handbuch Bahāʾī Geschichte – Theologie - Gesellschaftsbezug. W. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-019421-2, S. 48.
  7. Werner Gollmer: Mein Herz ist bei euch ʿAbduʾ l-Bahá in Deutschland. Bahá'í-Verlag, Hofheim-Langenhain 1988, ISBN 978-3-87037-215-6.
  8. 'Abdu'l-Bahá in Deutschland. Abgerufen am 24. Mai 2021.
  9. ʿAbd-al-Bahāʾ: Ansprachen in Paris. 6. Auflage. Bahá'í-Verlag, Oberkalbach 1973, ISBN 978-3-87037-062-6.
  10. Howard MacNutt (Hrsg.): The promulgation of universal peace. 2nd ed Auflage. Baháʼí Pub. Trust, Wilmette, Ill. 1982, ISBN 0-87743-172-8.
  11. Janet A. Khan: A world without war : 'Abdu'l-Bahá and the discourse for global peace. Bahá'í Publishing, Wilmette, Illinois 2020, ISBN 978-1-61851-166-9, S. 86–94.
  12. a b Manfred Hutter: Handbuch Bahāʾī Geschichte – Theologie - Gesellschaftsbezug. W. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-019421-2, S. 50.
  13. Hoda Mahmoudi, Janet A. Khan: A world without war : 'Abdu'l-Bahá and the discourse for global peace. Bahá'í Publishing, Wilmette, Illinois 2020, ISBN 978-1-61851-166-9, S. 92.
  14. `Abdu'l-Bahá: Das Testament. In: Dokumente des Bündnisses. Bahá'í-Verlag, Hofheim-Langenhain 1989, ISBN 978-3-87037-231-6.

WeblinksBearbeiten

Commons: Abdu’l Baha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien