Łankiejmy

Siedlung in Polen

Łankiejmy [wanˈkʲɛi̯mɨ] (deutsch Langheim) ist ein Dorf in Polen in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es gehört zum Powiat Kętrzyński (Kreis Rastenburg) in der Stadt- und Landgemeinde Korsze (Korschen).

Łankiejmy
Łankiejmy führt kein Wappen
Łankiejmy (Polen)
Łankiejmy
Łankiejmy
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Kętrzyn
Gmina: Korsze
Geographische Lage: 54° 9′ N, 21° 4′ OKoordinaten: 54° 9′ 0″ N, 21° 4′ 27″ O
Einwohner: 541 (2011)
Postleitzahl: 11-430[1]
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NKE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 592: BartoszyceŁabędnikKorszeKętrzynGiżycko
Dłużec WielkiSarkajmyDzierżążnik → Łankiejmy
TrzeciakiWygodaSuśnik → Łankiejmy
Schienenweg: PKP-Linie 353: Posen–Toruń–Olsztyn–Korsze
Nächster int. Flughafen: Danzig



Geographische LageBearbeiten

Łankiejmy liegt am Flüsschen Zaine (polnisch Sajna) im nördlichen Polen in der historischen Region Ostpreußen, etwa 23 Kilometer südlich der polnischen Staatsgrenze zur russischen Oblast Kaliningrad. Benachbarte Dörfer sind Sarkajmy (Scharkeim), im Osten Długi Lasek (Langwäldchen), im Süden Suśnik (Sußnick) und im Westen Kowalewo Małe (Wotterkeim) sowie Kowalewo Duże (Vorwerk Wotterkeim). Bis zur Kreisstadt Kętrzyn (deutsch Rastenburg) sind es 21 Kilometer in südöstlicher Richtung.

GeschichteBearbeiten

OrtsnameBearbeiten

Der Name „Langheim“ / „Łankiejmy“ stammt aus dem Altpreußischen: „Lanka“ bedeutet „Wiese“ und „kaym“ bedeutet „Dorf“.

OrtsgeschichteBearbeiten

 
Gedenkstein zum 650jährigen Bestehen des Dorfes
 
Ehemaliges „Gasthaus Langheim“ (alter Schriftzug noch gut erkennbar) in Łankiejmy
 
Schloss Langheim um 1680 in der Sammlung Alexander Duncker

Die Handfeste erhielt Langheim[2] im Jahr 1367 vom Hochmeister des Deutschen Ordens Winrich von Kniprode. Der Lokator Hans Straupe[3] erhielt 74 Włóka Land zur Anlage des Ortes nach Kulmer Recht. Vermutlich gab es an der Stelle des Dorfes bereits zuvor eine prußische Siedlung.

Zwischen 1375 und 1400 wurde eine gotische Kirche errichtet. Um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert wurde ein Kirchturm errichtet. Im 16. Jahrhundert gehörten die Dörfer Gudniki (Gudnick) und auch Scharkeim (Sarkajmy) zur Pfarrei Langheim.

Bis ins 16. Jahrhundert gehörte das Dorf der Familie Truchseß von Wetzhausen. Vier Grabmale der Familie befinden sich im Kirchturm. Heinrich Wilhelm von der Groeben, Besitzer des Gutes Ponarien, erwarb 1728 das Dorf und ließ hier unter anderem die Familiengruft anlegen.

Nach dem Tod Heinrich Wilhelms im Jahr 1729 losten seine vier Söhne das Erbe aus. Das Gut wurde Wilhelm Ludwig von der Groeben (1710–1785) zugeschlagen. Dieser blieb unverheiratet und brachte 1742 sein Vermögen in eine Familienstiftung ein, die allen Familienmitgliedern der Familie Groeben ein standesgemäßes Leben ermöglichen sollte. Ausdrücklich ausgeschlossen waren Nichtsnutze und Faulpelze; in schweren Fällen sollte der Ausschluss vollständig sein.[4] Auf der Basis von Leistungen nach dem Lastenausgleichsgesetz und etwas Restvermögen im Raum Berlin besteht die als gemeinnützig anerkannte Familienstiftung noch heute.

Langheim wurde am 30. April 1874 ein Amtsdorf und damit namensgebend für einen neu errichteten Amtsbezirk[5]. Er bestand bis 1945 und gehörte zum Kreis Rastenburg im Regierungsbezirk Königsberg in der preußischen Provinz Ostpreußen und wurde anfangs von acht Dörfern, am Ende noch von sechs Ortschaften gebildet.

Von 1798 bis 1805[6] wurde das Schloss errichtet. Als am 17. Januar 1818 ein Orkan Teile Ostpreußens verwüstete, wurde der Kirchturm zerstört.[7] Der Turm wurde im selben Jahr wieder aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss abgebrannt. Im Januar 1945 nahm die Rote Armee die Gegend ein.

In der Folge des Krieges wurde Langheim als „Łankiejmy“ Teil Polens. Ab 1954 war das Dorf dann Sitz einer Gromada. 1970 gab es in Łankiejmy einen Kindergarten für 30 Kinder, eine achtklassige Grundschule und einen Medpunkt. 1973 wurde Łankiejmy Sitz eines Schulzenamtes (Sołectwo) in der Gemeinde Korsze. Zum Schulzenamt gehörten die Ortschaften Gnojewo (deutsch Grützau), Kowalewo Małe (Wotterkeim) und Kowalewo Duże (Vorwerk Wotterkeim).[8] In das Dorf, das 2011 insgesamt 541 Einwohner zählte,[9] ist Dzierżążnik (Hartels) eingegliedert.

EinwohnerzahlenBearbeiten

Jahr Anzahl
1817 181[10]
1910 789[11][12]
1933 722[13]
1939 733[14]
1970 448[15]
2011 541[9]

Amtsbezirk Langheim (1874–1945)Bearbeiten

Der Amtsbezirk Langheim wurde am 30. April 1874 errichtet:[5]

Deutscher Name Polnischer Name Bemerkungen
Gudnick Gudniki
Heinriettenhof Wygoda 1928 nach Wendehnen eingemeindet
Lablack, Vorwerk Łabławki
Langheim, Dorf Łankiejmy
Langheim, Gut 1928 in die Gemeinde Langheim eingegliedert
Sußnick Suśnik
Wotterkeim Kowalewo Małe 1931 nach Langheim eingemeindet
Zandersdorf Swędrówka
ab 1883:
Wendehnen
Wandajny
ab 1912:
Sprenglienen
1928 nach Kremitten eingemeindet

Am 1. Januar 1945 bildeten den Amtsbezirk Langheim noch die Orte: Gudnick, Lablack, Langheim, Sußnick, Wendehnen und Zandersdorf.

KircheBearbeiten

 
Die Kirche in Łankiejmy

Bereits am Ende des 14. Jahrhunderts wurde in Langheim die chorlose Kirche aus Feld- und Backsteinen errichtet, verziert mit einem Staffelgiebel an der Ostwand. Zwei Staffelgiebel erhielt dann der hundert Jahre später vorgesetzte Turm. Der einschiffige Innenraum der Kirche wird von einer trapezförmigen Holzdecke überzogen und ist reich an geschnitzten Emporen und Gestühl. Aus gotischer Zeit erhalten ist ein Kruzifix aus der Zeit um 1515. Eine Orgel erhielt die Kirche im Jahre 1822, angefertigt von Johann Scherweit aus Königsberg (Preußen).

Seit der Reformation war die Kirche bis 1945 ein evangelisches Gotteshaus. Nach dem Krieg entstand hier durch die Ansiedlung neuer polnischer Bürger eine katholische Gemeinde, und die Kirche ist heute deren gottesdienstliche Stätte. Seither trägt sie auch den Namen Johannes des Täufers.

Katholischerseits gehört Łankiejmy zum Dekanat Reszel (deutsch Rößel) im Erzbistum Ermland. Evangelischerseits ist jetzt die Johanneskirche in Kętrzyn (Rastenburg) gottesdienstliches Zentrum, ergänzt um die Filialkirche in Bartoszyce (Bartenstein) innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

VerkehrBearbeiten

StraßeBearbeiten

Durch das Dorf führt in west-östlicher Richtung die Woiwodschaftsstraße 592 (einstige deutsche Reichsstraße 135). In westlicher Richtung mündet sie nach etwa 21 Kilometern in Bartoszyce (Bartenstein) in die Landesstraße 51. In östlicher Richtung führt die 592 nach etwa 25 Kilometern durch Kętrzyn (Rastenburg) bis nach Giżycko (Lötzen). In Łankiejmy enden zwei Nebenstraßen aus nordwestlicher Richtung von Dłużec Wielki (Groß Langwalde) bzw. aus südöstlicher Richtung von Trzeciaki (Dreihöfen).

SchieneBearbeiten

Łankiejmy besitzt seit dem 27. Dezember 1871 – dem Tag der Eröffnung des Streckenabschnitts von Rothfließ (polnisch Czerwonka) nach Insterburg (russisch Tschernjachowsk) der Bahnstrecke Posen–Korsze – eine eigene Bahnstation. Bis 1945 war hier ein Bahnhof, der nach in einen Haltepunkt umfuntioniert worden ist. Zwischen 1945 und 1947 trug er den Namen „Długowola“, danach bis heute heißt er „Łankiejmy“.

LuftBearbeiten

Der nächste internationale Flughafen ist der Flughafen Kaliningrad, welcher sich etwa 90 Kilometer nordwestlich auf russischem Hoheitsgebiet – und damit außerhalb der Europäischen Union mit den dadurch verbundenen Reiseproblemen – befindet. Der nächste internationale Flughafen auf polnischem Staatsgebiet ist der etwa 170 Kilometer westlich gelegene Lech-Wałęsa-Flughafen Danzig.

PersönlichkeitenBearbeiten

Aus dem Ort gebürtigBearbeiten

Mit dem Ort verbundenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Tadeusz Swat: Dzieje Wsi. In: Aniela Bałanda u. a.: Kętrzyn. Z dziejów miasta i okolic (= Seria monografii miast Warmii i Mazur). Pojezierze, Olsztyn 1978, S. 202–204.

WeblinksBearbeiten

Commons: Łankiejmy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Polnisches Postleitzahlenverzeichnis 2013, S. 686
  2. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Langheim
  3. Swat 1978, S. 202 nennt ihn Jan Straupe, hier nach „Geschichte von Lankiejmy - Langheim“ bei ostpreussen.net
  4. „Geschichte von Lankiejmy – Langheim“ bei ostpreussen.net
  5. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Langheim
  6. Swat 1978, S. 203 schreibt 1798 bis 1804, hier nach „Geschichte von Lankiejmy - Langheim“ bei ostpreussen.net
  7. Preußische Landes- und Volkskunde: oder Beschreibung von Preußen (1835)
  8. Swat 1978, S. 299–300
  9. a b Wieś Łankiemy w liczbach
  10. Swat 1978, S. 203
  11. Gut (692) und Dorf (97)
  12. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Rastenburg
  13. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch 1871–1990
  14. Swat 1978, S. 203
  15. Swat 1978, S. 204