Łagów (Powiat Świebodziński)

Dorf mit kleinstädtischem Charakter in der polnischen Woiwodschaft Lebus, Powiat Świebodziński
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Łagów (deutsch Lagow) ist ein Dorf mit kleinstädtischem Charakter in der polnischen Woiwodschaft Lebus, Powiat Świebodziński (Kreis Schwiebus). Das Dorf ist Sitz einer gleichnamigen Landgemeinde.

Łagów
Wappen von Łagów
Łagów (Polen)
Łagów
Łagów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Świebodzin
Geographische Lage: 52° 20′ N, 15° 18′ OKoordinaten: 52° 19′ 57″ N, 15° 17′ 37″ O
Einwohner: 1588 (31. März 2011[1])
Postleitzahl: 66-220
Telefonvorwahl: (+48) 68
Kfz-Kennzeichen: FSW
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 11 Schulzenämter
Fläche: 199,19 km²
Einwohner: 4969
(30. Jun. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 25 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0808022
Verwaltung (Stand: 2015)
Gemeindevorsteher: Czesław Kalbarczyk[3]
Adresse: ul. 1 Lutego 7
66-220 Łagów
Webpräsenz: www.lagow.pl



Geographische LageBearbeiten

Die Ortschaft liegt am Flüsschen Pliszka (Pleiske) im früheren Land Sternberg (Ziemia Torzymska), dem südlichen Teil der Neumark nördlich der Europastraße von Frankfurt (Oder) nach Świebodzin (Schwiebus). Die Entfernung nach Frankfurt beträgt etwa 45 Kilometer, nach Schwiebus etwa 25 Kilometer. Lagow liegt inmitten des Lagower Landschaftsschutzparks.

 
Lagow am Lagowsee, westlich der Stadt Posen und südwestlich der Stadt Meseritz, auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905
 
Lagowsee

GeschichteBearbeiten

 
Burg

Der nahe dem Ort gelegene Falkenberg war schon in der Bronzezeit (Lausitzer Kultur) besiedelt. An gleicher Stelle befand sich im 11. und 12. Jahrhundert eine slawische Burg. 1251 kam das Gebiet unter deutsche Herrschaft. 1258 kam Schloss Lagow in den Besitz des Markgrafen Johann I.;[4] in den folgenden Jahrzehnten war es zwischen den Bischöfen von Lebus, den Brandenburger Markgrafen und den Erzbischöfen von Magdeburg umstritten.

1299 wurde Lagow zum ersten Mal erwähnt, als die Brandenburger Markgrafen Otto IV. und Heinrich II. die Burg dem Ritter Albrecht von Klepitz übereigneten. Die damalige Anlage lag etwa 500 m nordwestlich der bis heute bestehenden Johanniterburg auf dem Falkenberg. Der Ort gehörte zum märkischen Land Sternberg, das 1313 erstmals unter dieser Bezeichnung erwähnt wurde.

Mitte des 14. Jahrhunderts ging Burg Lagow mit den daran hängenden feudalen Herrschaftsprivilegien in den Besitz des Johanniterordens über, der nach kurzer Zeit mit dem Bau einer neuen Burg begann, die auf einem Hügel zwischen dem Tschetschsee (polnisch Ciecz) im Norden und dem Lagowsee im Süden auf einer schmalen Landenge angelegt wurde.[5]

Am Fuß der Veste entstand eine zugehörige Siedlung für Handwerker und Dienstmannen, die mit Wehrmauern und zwei Toren, heute Märkisches Tor (polnisch Brama Marchijska) und Polnisches Tor (polnisch Brama Polska) genannt, gesichert wurde. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde auf der Burg eine Johanniterkomturei eingerichtet, die zum Herrenmeistertum Sonnenburg gehörte.[6] Lagow war eine der größten Komtureien des Johanniterordens.[7] 1535 bis 1571 gehörte Lagow zu Brandenburg-Küstrin, fiel dann aber an Kurbrandenburg zurück. 1569 bekam Lagow Stadtrecht.

Als Teil Brandenburgs kam Lagow mit diesem an Brandenburg-Preußen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Lagow 1640 durch Schweden eingenommen und zerstört. 1726 wurde das Stadtrecht erneuert; um 1800 war die Stadt eine Zeitlang die kleinste in Preußen.[8] Das Land Sternberg wurde im Zuge der Gliederung Brandenburgs in Kreise 1747 zum Sternbergischen Kreis. Im Jahr 1750 hatte das Städtchen 267 Einwohner, im Jahr 1850 450 Einwohner,[8] und 1925 dann 630 Einwohner.[5]

Nach der Auflösung der Komturei im Jahre 1811 ging Schloss Lagow und seine Ländereien in privaten Besitz über, feudale Privilegien waren durch das Oktoberedikt von 1807 und das Regulierungsedikt von 1811 erloschen bzw. abzugelten. Mit Bildung der Bezirke in Preußen ab 1815, kam Lagow als Teil des Kreises Sternberg an den Regierungsbezirk Frankfurt. Das Städtchen war Sitz einer königlichen Oberförsterei sowie eines Rentamtes.[8] Der Ort entwickelte sich zu einer beliebten Sommerfrische und zum Luftkurort mit 3000 Gästen (1929).[5]

Lagow gehörte ab Teilung des Kreises Sternberg 1873 bis 1945 zum Landkreis Oststernberg der Provinz Brandenburg.

Während der Kampfhandlungen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 wurden die Burg und die Ortschaft nicht zerstört. Nach Kriegsende 1945 wurde Lagow unter polnische Verwaltung gestellt. Es siedelten sich polnische Migranten an, die zum Teil aus von Polen nach dem Ersten Weltkrieg eroberten Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. Die einheimischen Bewohner wurden – soweit sie nicht geflohen waren – anschließend von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Die Schreibweise des Ortsnamens der deutschen Kleinstadt wurde in Łagów abgeändert.

Das bis heute von der Ortschaft geführte Wappen erinnert an die jahrhundertelange Präsenz der Johanniter in Lagow.

Die Haupterwerbszweige der Bevölkerung sind gegenwärtig die Landwirtschaft und der Tourismus.

Jährliche Einwohnerzahlen vor 1945Bearbeiten

  • 1732: 201[4]
  • 1750: 267[4]
  • 1801: 319[4]
  • 1840: 388[4]
  • 1855: 586, darunter drei Katholiken und neun Juden[4]
  • 1933: 1.093[9]
  • 1939: 1.155[9]

Eigentümer von Schloss und Gut LagowBearbeiten

Besitzer[10] von Schloss und Gut Lagow von 1350 bis 1945:

Gemeinde (Gmina Łagów)Bearbeiten

Die Landgemeinde (gmina wiejska) Łagów hat etwa 5.000 Einwohner. Zu ihr gehören folgende Ortschaften (deutsche Namen bis 1945) mit Schulzenamt (sołectwo):

  • Gronów (Grunow)
  • Jemiołów (Petersdorf)
  • Kosobudz (Kunersdorf)
  • Kłodnica (Abbau Sorge)
  • Łagów (Lagow)
  • Łagówek (Neu Lagow)
  • Niedźwiedź (Niedewitz)
  • Poźrzadło (Spiegelberg)
  • Sieniawa (Schönow)
  • Toporów (Topper)
  • Żelechów (Selchow)

Weitere Ortschaften der Gemeinde ohne Schulzenamt sind:

  • Brzezinki
  • Czartów (Schartowsthal)
  • Czyste (Grunewald)
  • Gronów-Winiarnia
  • Jemiołów (gajówka) (Petersdorf)
  • Kosobudki (Neu Kunersdorf)
  • Pasałka
  • Sieniawa-Kopalnia (Schönow)
  • Stok (Stock)
  • Troszki (Kunersdorfer Sorge)
  • Zabiele
  • Zamęt (Neumühl)

KulturBearbeiten

In Łagów findet seit Ende der 1960er Jahre alljährlich zur Mittsommernacht das Lubuskie Lato Filmowe (Lebuser Filmsommer) genannte älteste polnische Spielfilmfestival statt.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, 1. Ausgabe, Brandenburg 1856, S. 254–255 (online) und S. 286–287 (online).
  • W. Riehl, J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 483–484.
  • Wilhelm von Obernitz: 700 Jahre Lagow. 200 Jahre Stadt: Festschrift zum 700-jährigen Bestehen und zur 200-Jahrfeier als Stadt am 10. Juli 1927. Hrsg.: Magistrat der Stadt Lagow. Trowitzsch, Frankfurt/Oder 1927.
  • Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855, S. 209.
  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Band 3, Berlin 1832, S. 512–515.

WeblinksBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. GUS 2011: Ludność w miejscowościach statystycznych według ekonomicznych grup wieku (polnisch), 31. März 2011, abgerufen am 4. Juli 2017
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  3. Website der Gemeinde, Wójt Gminy Łagów, abgerufen am 26. Februar 2015
  4. a b c d e f W. Riehl, J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 483–484.
  5. a b c Lagow. In: Der Große Brockhaus. 15. Ausgabe. 1928–1935, Bd. 12 L bis Mah (1932), S. 37.
  6. Lagow. In: Meyers Konversations-Lexikon. 6. Ausgabe. 1902–1908, Bd. 12 L bis Lyra (1906), S. 53.
  7. Johann Gottfried Dienemann, Johann Erdmann Hasse: Nachrichten vom Johanniterorden, insbesondere von dessen Herrenmeisterthum in der Mark, Sachsen, Pommern und Wendland. Berlin 1767, S. 86.
  8. a b c Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855, S. 209.
  9. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. oststernberg.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Jörg Lüderitz: Entdeckungen östlich der Oder. Unterwegs zwischen Frankfurt, Skwierzyna und Żary. Trescher, Berlin 2005, ISBN 3-89794-082-5, S. 80ff. (Trescher-Reihe Reisen; Online bei Google Book Search).