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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ötisheim
Ötisheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ötisheim hervorgehoben

Koordinaten: 48° 58′ N, 8° 49′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Enzkreis
Höhe: 243 m ü. NHN
Fläche: 14,26 km2
Einwohner: 4727 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 331 Einwohner je km2
Postleitzahl: 75443
Vorwahl: 07041
Kfz-Kennzeichen: PF
Gemeindeschlüssel: 08 2 36 050
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schönenbergerstraße 2
75443 Ötisheim
Website: www.oetisheim.de
Bürgermeister: Werner Henle
Lage der Gemeinde Ötisheim im Enzkreis
BirkenfeldEisingenEngelsbrandFriolzheimHeimsheimIllingenIspringenKieselbronnKnittlingenKnittlingenKnittlingenKnittlingenMaulbronnMönsheimMühlackerNeuenbürgNeuhausenNiefern-ÖschelbronnÖtisheimSternenfelsTiefenbronnWiernsheimWimsheimWurmbergWurmbergKelternRemchingenStraubenhardtNeulingenKämpfelbachÖlbronn-DürrnÖlbronn-DürrnÖlbronn-DürrnKönigsbach-SteinKarte
Über dieses Bild

Ötisheim (Umgangssprachlich auch „Aize“ genannt) ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg mit über 4700 Einwohner und wurde zum ersten Mal 783 erwähnt. Der Ort stand bis zur Reformation unter dem Einfluss des Kloster Maulbronn. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg bezog Friedrich Karl von Württemberg ein Standquartier um französischen Truppen abzuwehren, bekannt auch als die Schlacht von Ötisheim. Um 1700 kam Henri Arnaud in die Gegend und gründete die Siedlung Schönenberg, welcher später ein Teilort Ötisheim wurde.

Seit 1973 ist Ötisheim eine Gemeinde und ist mit der Stadt Mühlacker eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.[2] Ötisheim zählt zu den wenigen Orten in Baden-Württemberg, welche ohne Schulden sind.[3]

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Im nördlichen Teil des Enzkreises liegt Ötisheim. 2 Naturräume stoßen auf der Gemarkung zusammen. Vom Südwesten die Bauschlotter Platte und von Nordosten das Strombergvorland. Das Hauptgewässer ist der Erlenbach, ein Zufluss der Enz, dem der Mettenbach zufließt. Der tiefste Punkt grenzt am Gebiet von Mühlacker mit 226 m ü. NHN und der höchste Punkt der Gemarkung ist der Sauberg mit 322 m ü. NHN.

Ötisheim liegt etwa zwölf Kilometer von Pforzheim und vier Kilometer von Mühlacker entfernt.

Nachbargemeinden und Städte sind, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn Maulbronn, Mühlacker und Ölbronn-Dürrn.

 
Ötisheim mit der evangelische Michaelskirche (St. Michael)

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde Ötisheim gehören das Dorf Ötisheim, die Weiler Erlenbach, Corres und Schönenberg und die Höfe Haldenhof und Reithof.[4]

ErlenbachBearbeiten

Erlenbach wurde 1245 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Dort fand man auch Reihengräber, die zwischen dem 5. Jahrhundert und 7. Jahrhundert datiert wurden. Erlenbach war schon als Flurname bekannt und seine Entstehung fällt in die merowingerzeitlichen Ausbauzeit. Die dortige St. Jakobus Kapelle wird 1356 erstmalig erwähnt.[5]

In Erlenbach befand sich eine Mühle und war im Besitz des Kloster Maulbronn. Aus dem Jahre 1480 ist eine Abschrift eines Erblehensvertrages erhalten. Darin steht, dass die Mühle an Hans (Johannes) Faust verliehen wurde. In dieser Zeit war Hans Faust der einzige bekannte Namensträger in dieser Gegend, womit eine mögliche Verwandtschaft mit Johann Georg Faust, welcher in Knittlingen 1480 geboren wurde und in Goethes Faust verewigt, nicht ausgeschlossen ist. 1601 zählte man 25 Einwohner, 3 Häuser, Hof und die Mühle, 1692 waren es 22 Einwohner. Mitte des 18. Jahrhundert über 30 und Ende des 18. Jahrhunderts ca. 40 Einwohner.[6]

CorresBearbeiten

 
Wohnhaus von Henri Arnaud, heute ein Museum in Schönenberg.

Corres wurde um 1701 von den Waldensern auf der Gemarkung Ötisheim gegründet und war von Beginn ein Teilort Ötisheim. Der Name Corres entstand aus dem schon vorher bestehenden schwäbisch-fränkischen Flurnamen Korra. Die Gründer von Corres kamen aus Pragelato und Perosa Argentina. Zuvor waren sie in Dornholzhausen und sind dann weiter nach Dürrmenz gezogen. Anfang des 18. Jahrhunderts lebten 12 Familien in 4 Häusern und einigen Baracken. Um 1834 waren es ca. 20 Gebäude und knapp 100 Einwohner. Die Laschar-Kapelle wurde 1912 errichtet und eingeweiht. Ermöglicht wurde dies durch Wilhelm Laschar, welcher ein Nachfahre, eines Gründers von Corres, von Jean Lageard war.[7]

SchönenbergBearbeiten

Hauptartikel: Schönenberg.

Schönenberg wurde 1701 von den Waldensern unter der Führung des Waldenserführers und Pfarrer Henri Arnaud gegründet und hieß zuvor Des Mûriers (Maulbeerbaum). Dort befindet sich das Waldensermuseum und der Sitz der deutschen Waldenservereinigung.

WüstungBearbeiten

Auf der Gemarkung Ötisheim liegen die Wüstungen Kolbenhausen, Brinklingen und Hegnach. Die Flurnamen Kolbenhausen und Brinklingen werden in den Ötisheimer Lagerbüchern von 1552 und 1565 relativ häufig erwähnt.[8] Kolbenhausen wird als Zelge, des Teilortes von Ötisheim, Erlenbach zugewiesen und Bringhausen als Zelge von Dürrn und Erlenbach. Zusätzliche Hinweise für eine Wüstung Kolbenhausen liefert der Familienname Kolb aus älteren Ötisheimer Schriften. Hegnach besteht bis heute als Flurname nördlich des Teilortes Erlenbach. Der Name Hegnach kommt von Hag, das auf eine Hecke eines eingefriedetes Gebietes hinweist. Ha(a)g(en) verweist auf eine frühere Siedlung hin. Der Lokalhistoriker Konrad Dussel ist der Meinung, dass es bei den drei Flurnamen nicht unbedingt um Wüstungen handeln muss.[9]

FlächenaufteilungBearbeiten

 

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2017.[10]

KlimatabelleBearbeiten

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Ötisheim
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 3,2 5,3 10,1 14,8 19,2 22,4 24,2 23,5 20,6 14,7 8,1 4,5 Ø 14,3
Min. Temperatur (°C) -2,2 -1,3 1,2 4,5 8,3 11,7 13,3 12,8 9,9 5,8 1,8 -0,8 Ø 5,5
Niederschlag (mm) 48,0 46,0 45,0 54,0 74,0 88,0 73,0 77,0 57,0 51,0 58,0 54,0 Σ 725
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
3,2
-2,2
5,3
-1,3
10,1
1,2
14,8
4,5
19,2
8,3
22,4
11,7
24,2
13,3
23,5
12,8
20,6
9,9
14,7
5,8
8,1
1,8
4,5
-0,8
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
48,0
46,0
45,0
54,0
74,0
88,0
73,0
77,0
57,0
51,0
58,0
54,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Climate-Data.org, Daten: 1982–2012[11]; Climate-Data.org

GeschichteBearbeiten

Herkunft und NamensentwicklungBearbeiten

Laut Karl Weller ist Ötisheim ein alemannisches Urdorf, da jedes Dorf welches mit -heim endet, allgemein zu den ältesten Orten zählen. Der Sippennamen, das einem alemannischen Urdorf zu eigen ist, ist verloren gegangen. Doch wird vermutet, dass ein Mann mit dem Namen Autines den früheren Sippennamen verdrängte, da Ötisheim als Autinesheim urkundlich erwähnt wurde. Demnach kann man die Entstehung Ötisheim zwischen dem 2. Jahrhundert und dem 4. Jahrhundert datieren.[12] Anderen Quellen hingegen, weisen auf ein fränkisches Dorf hin. Viele Dörfer die von den Alemannen gegründet wurden, enden mit -ingen, was bei Ötisheim nicht der Fall ist. Nach dem Sieg der Franken gegen die Alemannen, um 496, gab es eine fränkische Nachbesiedelung. In dieser Zeit entstand vermutlich ein Fronhof, welches das erste Gebäude von Ötisheim war und zu einem Dorf heranwuchs. Die Flurnamen, wie Großer Brühl, Hofäcker oder Hofwiesen waren Bestandteile des Fronhofes und sind typisch für Dörfer, welche aus einem Fronhof entstandenen sind. Im Laufe der Zeit durften sich Bauern dort niederlassen, mussten aber Frondienste und Abgaben errichten.[13] Ötisheim (lokalen Dialekt: Aize) wurde erstmals 783 als Autinesheim im Lorscher Codex urkundlich erwähnt.[14]

 
Die evangelische Michaelskirche (St. Michael), das ev. Gemeindehaus (ehemals altes Rathaus) und der Pfleghof links im Bild

Ötisheim hatte mehrere Ortsnamen hinter sich, nach Autinesheim war der Ort 1236 als Autesheim bekannt, dann 1246 Outenesheim, 1295 Outensheim, 1312 und 1316 Othensheim, 1356 Oetinsheim und 1370 Oettisheim.

AizeBearbeiten

1774 schrieb der dort tätige Pfarrer Christian Gottfried Nicolai, dass Ötisheim vermutlich früher Eidexheim hieß, da sich damals viele Eidechsen in der Gegend aufhielten, von daher soll der Name Aize, mundartlich von Eidechse, abstammen.[15] Doch ist dies unwahrscheinlich. Die Bezeichnung Aize lässt sich aus den frühesten schriftlichen Überlieferungen des Ortsnamens ableiten. Das „-heim“ von Autinesheim wurde mundartlich schon früh zu einer Reduktionssilbe „e“ geändert. Der voralthochdeutsche Diphthong „au“ wurde im Laufe der Jahrhunderte hochsprachlich zu „ö“ weiterentwickelt, während es im Schwäbischen zu „ai“ kam. So wird neben Öttisheim oder Ötteßhaim auch von Aittes(s)haim geredet. Es wird vermutet, dass das Heim des Autines in Vergessenheit geraten ist und daraus ein Heim der Eidechsen wurde.[16]

OrtsnecknameBearbeiten

Ein Ortsneckname (auch Ortsneckerei, Uzname oder niederdeutsch Terneidsname) ist eine scherzhafte Bezeichnung der Ortseinwohner durch die Bevölkerung benachbarter Orte. Ötisheim hat den Neckname d' Bachel.[17] Die Herkunft des Necknamen ist unbekannt, doch hat es eher einen abwertenden Charakter, ähnlich wie Trottel oder Idiot.

Jungsteinzeit bis SpätantikeBearbeiten

Die frühesten Funde, Steinwerkzeuge, sind aus der Jungsteinzeit. Es gibt mehrere Hügelgräber aus der Bronzezeit. Urtümlich wurden die Gräber als "altgermanische" Altertümer bezeichnet, tatsächlich wurden die Grabhügel in der keltischen Zeit angelegt. In der Nähe des Ortsteils Corres hat man 1906 eines der Grabhügel untersucht, welcher verschiedene Schmuckbeigaben und Bronzereste beinhaltete, außerdem einen Unterschenkelknochen und Zähne des Bestatteten. Verschiedene Bodenfunde zeigten auch auf, dass die Römer den Siedlungsboden in Besitz nahmen. Im ehemaligen Amtsbezirk Maulbronn hat man 1870 niedergeschrieben, dass man auf der Gemarkung Ötisheim auf Pflaster, Grundmauern, Scherben und Fundamente gestoßen sei, was angeblich römisch gewesen war. Ebenso wurde eine Römerstraße in der Zeit Augustus, zwischen Ötisheim über Kieselbronn, nach Pforzheim gebaut, welche als „hohle Straße“ bekannt ist.

Frühmittelalter bis zum dreißigjährigen KriegBearbeiten

Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken. Zu einer Ersterwähnung von Ötisheim im Lorscher Codex, 783, kam es, weil ein Mann namens Rather dem Kloster Lorsch 10 Felder und 2 Wiesen schenkte, danach folgten weitere Schenkungen an das Kloster Lorsch von anderen Personen, welche Besitztümer in Ötisheim hatten. Der Fronhof von Ötisheim ging im 12. Jahrhundert in den Besitz vom Kloster Maulbronn über. Dort wurde es als Grangie geführt. 1285 gab es ein Schiedsgericht zwischen dem Kloster Maulbronn und den Herren von Enzberg, unter der Teilnahme von Ritter Albrecht und Konrad von Niefern und Diether von Lomersheim. Dort wurde entscheiden, dass das Kloster Maulbronn das Vogtrecht, seit 1376 auch die Gerichtsbarkeit, über die Güter der Ritter in Ötisheim bekam.[18] In den Jahren 1369 und 1370 gingen weitere Güter, unter anderem der Wald bei Ötisheim, in den Besitz des Klosters über. Damit wurde Maulbronn Grundherr über den Ort.

Im bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Ötisheim geplündert und musste sich für 1500 Gulden freikaufen, ansonsten hätte man den Ort niedergebrannt. Infolge dieses Krieges kam es mit dem Kloster Maulbronn im Jahr 1504 an Württemberg. 1631 wurde Ötisheim von Johann T’Serclaes von Tilly heimgesucht. Bis 1648 war die Gegend des Klosteramtes Maulbronn durch den Dreißigjähriger Krieg weitgehend entvölkert. 1648 zählte man wieder 246 Einwohner und erholte sich so langsam.

Pfälzischer Erbfolgekrieg bis heuteBearbeiten

 
Ötisheim im Forstlagerbuch 1682 von Andreas Kieser

Durch den Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Ötisheim erneut in Mitleidenschaft gezogen. 1692 errichtete Friedrich Karl von Württemberg ein Standquartier in Ötisheim ein, um die französischen Truppen von Marschall de Lorge bei einem weiteren Vordringen abzuwehren. Am 17. September wurde Friedrich Karl von Württemberg durch seinen Oberstleutnant Mortan informiert, dass Pforzheim immer noch Widerstand leistet, obwohl Pforzheim bereits am 14. September von den Franzosen eingenommen wurde. Sein Heer war völlig überrascht, als die französischen Truppen auftauchten, sie gerieten in Panik und flohen. Am nächsten Tag wurde Ötisheim geplündert und niedergebrannt.[19] Die Kirche, das alte Rathaus (heute das evangelische Gemeindeshaus) und der Pfleghof, das dem Kloster Maulbronn angehörte, überstanden der Zerstörung. Zwischen 1695 und 1697 wurde eine Sternenschanze, in Form eines regelmäßigen fünfeckigen Sternes, auf dem Sauberg, der bei Schönenberg liegt, errichtet, welche als Verteidigung diente und zur Eppinger Linien gehörte. Im Winter 1692 –1693 gab es nur noch 9 Bürger. Der Pfarrer Nicolai erzählte, dass eine Frau namens Anna Katharine Wanderin täglich durch das Dorf ging und die Toten mit einem Mann zusammen beerdigten, welche der Pest zum Opfer fielen.[20]

Mit der Verwaltungsneuordnung, die nach den württembergischen Gebietszuwächsen durch den Reichsdeputationshauptschluss notwendig war, wurde Ötisheim dem Oberamt Maulbronn zugeordnet. Dieses ging 1938 im Landkreis Vaihingen auf, dem der Ort bis zur Kreisreform 1973 angehörte. Seither ist Ötisheim dem Enzkreis zugehörig.[21]

Die Gemeindereform 1973Bearbeiten

Bei der Kreisreform 1973 in Baden-Württemberg kam die Frage auf, ob man Ötisheim mit Enzberg oder mit Ölbronn oder nach Mühlacker eingemeindet sollte. Währenddessen planten die Ötisheimer einen Zusammenschluss mit Dürrn. Vertraglich wurde alles zwischen Ötisheim und Dürrn festgelegt und von den jeweiligen Bürgermeistern auch unterschrieben, aber es fehlte noch die Zustimmung des Stuttgarter Innenministeriums. Dieser wollte jedoch, dass Ötisheim ein Teilort von Mühlacker wird. Doch bevor der Entschluss gefasst wurde, gab es am 8. April 1973 eine Bürgeranhörung in Ötisheim. Bei einer Wahlbeteiligung von 71 % sprachen sich 92,8 % der Bürger für eine Unabhängigkeit aus. Damit war aber die Sache nicht vom Tisch, da Mühlacker es unerträglich fand, dass die Gemarkung Ötisheim bis an ihr Bahnhof grenzte. Daraufhin bot Ötisheim freiwillig eine Abtretung von 70 ha Fläche an. Doch Mühlacker wies diese als unzureichend zurück. Letztendlich einigte man sich auf 100 ha, das vor allem nördlich des Bahnhofes Mühlacker lag.[22] und bewahrte somit seine Unabhängigkeit.

Bauliche VeränderungBearbeiten

 
Blick auf die Michaelskirche vom Marktplatz aus

Der Ortskern zeichnet sich durch enge Gassen und wenig bis keine Flächen für Gärten und Äcker aus. Nach Berichten älterer Einwohner, welche von Pfarrer Nicolai 1774 niedergeschrieben wurden, war Ötisheim früher weiträumiger und der Erlenbach floss durch den Ort. Durch die Herrschaft des Klosters Maulbronn gab es zwischen dem 14. Jahrhundert und 15. Jahrhundert, durch Albrecht IV. von Ötisheim, grundlegende bauliche Maßnahmen, damit das Dorf besser geschützt war. So wurden am Anfang Palisaden um das Dorf errichtet, welche später Mauern ersetzten. Ebenso gab es 2 Tore, um in das Dorf zu gelangen. Das eine Tor stand zwischen der Alten Mühlackerstraße und dem Brunnehäusle, das andere Tor befand sich am alten Friedhof, wo das heutige Kriegerdenkmal steht. 1935 -1936 wurde an der Brühlstraße eine größere Siedlung gebaut. Anfang der 50er Jahre entstand die Wald-Siedlung, aufgrund der rund 700 Vertriebenen die sich in Ötisheim aufhielten.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Die Jahre bis 1802 sind nicht vollständig, sondern nur eine Auswahl. Die Teilorte Erlenbach, Schönenberg und Corres sind in der Statistik nicht mitgezählt. Die Bevölkerungszahl von Ötisheim wurden von der damaligen obersten Kirchenbehörde Württembergs jährlich festgehalten. Die Zahlen sind Schätzungen, da man bis 1605 die Bevölkerungszahl nur in Dezimalzahlen festhielt und die schulreifen Kinder generell nicht mitzählte. 1654 zählte Ötisheim nur noch 285 Einwohner, was auf den dreißigjährigen Krieg und die Pest zurück zu führen lässt. Vom Pfarrer Nicolai wird in seiner Memorabilia Oetisheimensiain berichtet, dass im Winter zwischen 1692 und 1693 nur noch 9 Menschen in Ötisheim lebten, also ein paar Monate später, nach dem die französischen Truppen von Marschall de Lorge Ötisheim einnahmen und die Bewohner anderorts Schutz vor dem Winter suchten.

In der Oberamtsbeschreibung[23], wird für das Jahr 1834 und 1846 zwischen Ortsangehörige und Ortsanwesenden unterschieden, weshalb diese Zahlen nicht sicher sind. Die Einwohnerzahl zwischen 1871 und 1961 sind aus dem historischen Gemeindeverzeichnis Baden-Württemberg, 1965 entnommen.

Einwohnerzahlen 1586–1797
Jahr Einwohner
1586 840
1605 800
1654 285
1667 418
1677 385
1678 193
1692 554
1697 248
1707 471
1727 739
1747 819
1767 862
1787 810
1797 874
Einwohnerzahlen 1802–1946
Jahr Einwohner
1802 913
15.12.1834 1244
15.12.1840 1207
03.12.1846 1250
03.12.1858 1281
01.12.1871 1502
01.12.1880 1645
01.12.1890 1649
01.12.1900 1690
01.12.1910 1909
16.06.1925 1969
16.06.1933 2015
17.05.1939 2124
29.10.1946 2724
Einwohnerzahlen 1950–2017
Jahr Einwohner
13.09.1950 2790
25.09.1956 3187
06.06.1961 3433
1970 4059
1987 4218
2002 4808
2006 4869
2007 4894
2008 4857
2009 4831
2010 4819
2011 4694
2012 4703
2017 4701

[24]

ReligionenBearbeiten

Mit der Reformation wurde Ötisheim 1535 protestantisch. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. April 1954 wurde der Weiler Erlenbach von der Kirchengemeinde Ötisheim in die Kirchengemeinde Schönenberg umgegliedert. Mit Wirkung vom 4. Dezember 1977 wurden die Filialkirchengemeinden Corres und Schönenberg aufgelöst und die Gemeindeglieder der Kirchengemeinde Ötisheim angeschlossen. Somit hat die Kirchengemeinde Ötisheim bis heute drei evangelische Kirchen und zwei Pfarrer. Es existieren weiterhin eine katholische und eine neuapostolische Kirche.

Siehe auch: Liste der Pfarrer von Ötisheim.

PolitikBearbeiten

WappenBearbeiten

Blasonierung: In Gold (Gelb) schräg gekreuzt einen roten Abtsstab und eine grüne Eidechse.

Das Wappenbild ist bereits in dem 1514 gestochenen ersten Flecken Siegel anzutreffen, auch schien die Farbgebung damals schon festzustehen. Der Abtstab weist auf die klösterliche Grundherrschaft des Kloster Maulbronn hin, während die Eidechse (mundartlich „Aitsa“) angeblich den Ortsnamen volksetymologisch umsetzt. In einem Gerichtssiegel von 1529 und späteren Siegeln erscheint nur die Eidechse im Wappenschild, welches vom späten 19. Jahrhundert bis in die Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein von einem Reichsadler als Herzschild aufgelegt ist. Anfang 1950 wurde das Wappen wieder nach dem ältesten Siegelbild umgestaltet. Am 28. September wurde die Flaggenfarbe genehmigt.[25]

BürgermeisterBearbeiten

Der Bürgermeister wird für 8 Jahre gewählt. Seit 1994 ist Werner Henle (* 1957) Bürgermeister in Ötisheim. Ebenso ist er seit 2014 Vorsitzender der Freie Wähler im Enzkreis, als auch Kreisrat im Kreistag des Enzkreises.

Siehe auch: Liste der Bürgermeister von Ötisheim

GemeinderatBearbeiten

Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in Ötisheim führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,6 % (2014: 52,1 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2014
FWV/UBL 46,1 % 7 43,3 %, 6 Sitze
SPD 22,2 % 3 22,8 %, 3 Sitze
Es geht noch mehr… 15,9 % 2 19,2 %, 3 Sitze
Bürgerliste Umwelt und Natur (BUN) 15,7 % 2 13,5 %, 2 Sitze
Alternative für Ötisheim (AfÖ) 0,0 % 0 1,2 %, 0 Sitze

GemeindehaushaltBearbeiten

Ötisheim ist seit 2003 durchgehend schuldenfrei und gehört zu den wenigen Gemeinden und Städten in Baden Württemberg ohne Schulden.[26]

Schuldenstand seit 1973 (in Euro)
Jahr Gesamtbetrag je Einwohner
1973 1.367.000 327
1978 1.687.000 408
1982 2.585.000 620
1988 3.289.000 784
1989 2.141.000 502
1995 1.444.000 840
2002 782.000 163
2003 0 0

Quelle:[27]

GemeindepartnerschaftBearbeiten

Ötisheim unterhält mit folgenden Gemeinden eine Gemeindepartnerschaft:

Die Ötisheimer Gemeindepartnerschaft
  Mérindol Frankreich 1994  
  Puget-sur-Durance Frankreich 1994  
  Lauris Frankreich 1994  
  Puyvert Frankreich 1994  
  Lourmarin Frankreich 1994  

Unweit von Avignon inmitten des Luberon-Gebirges im Département Vaucluse sind die 5 Partnergemeinden von Ötisheim anzutreffen. Allen Gemeinden vereint die Geschichte der Waldenser. Der deutsche Sitz der Waldenservereinigung befindet sich im Ortsteil Schönenberg und der französische Sitz in Mérindol. Schon vor der offiziellen Unterzeichnung bestand darum zwischen den Gemeinden eine freundschaftliche Bande. Demzufolge gibt es auch einen Verein namens Les Amis d´Ötisheim.[28]

VerkehrBearbeiten

Ötisheim besitzt einen Haltepunkt an der württembergischen Westbahn, welcher bis zum 8. Juni 2019 von der Linie S 9 der Stadtbahn Karlsruhe bedient wurde. Außerdem fährt in der Sommersaison sonntags eine Regionalbahn von Mühlacker nach Maulbronn Stadt, welche auch in Ötisheim hält. An Werktagen verkehrte morgens um 6:47 ein Regionalexpress nach Stuttgart Hbf.

Am 9. Juni 2019 übernahm Abellio den Nahverkehr auf der Westbahn, welcher Ötisheim stündlich zwischen 6 und 23 Uhr an die Städte Mühlacker und Bretten anbindet.

Von Montag bis Freitag verkehrt eine Buslinie von Mühlacker nach Dürrn, mit der auch die Teilorte Erlenbach, Schönenberg und Corres bedient werden.

BildungBearbeiten

Ötisheim hat eine Grund- und Hauptschule, sowie eine Werkrealschule, welche mit der Hartfeldschule aus Enzberg kooperiert. Für die vorschulische Betreuung gibt es die Kindergärten "Öläcker" und "Steidach".

Schon 1556 gab es Schulunterricht in Ötisheim, welches damals im alten Rathaus (heute evangelisches Gemeindehaus) stattfand. Im Jahre 1893 gab es drei Schulhäuser, neben dem alten Rathaus, gab es noch das Waldhorn und eine Schule in Schönenberg. Als das Waldhorn-Schulhaus im Jahre 1921 abbrannte, wurde die heutige Henri-Arnaud-Ötisheim ein Jahr später erbaut. 1969 wurde eine Erweiterung der Schule fertiggestellt.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Henri-Arnaud Kirche

MuseenBearbeiten

Deutsches Waldenser-Museum im Ortsteil Schönenberg.

BauwerkeBearbeiten

NaturdenkmälerBearbeiten

1988 wurde das Gebiet Wiesen-Speierling im Klammbaum und Wiesen-Speierling im Scherrkessel zum Naturschutzgebiet erklärt.

Siehe auch: Liste der Naturdenkmale in Ötisheim

MusikBearbeiten

Der Musikverein Ötisheim veranstaltet jährlich das Serenadenkonzert oder Aizemer Classics. Die größte Veranstaltung ist die MC-Party des Motorradclub in Ötisheim. Es findet jährlich am ersten Septemberwochenende statt. Ältester Verein in Ötisheim ist der Männergesangsverein. Er wurde 1871 gegründet und trägt mit jährlichen Konzerten und dem Sängerbesen zur Kultur in Ötisheim bei.

Sport und FreizeitBearbeiten

 
Das Freibad Ötisheim am Erlenbach
  • Im September 2004 wurde ein 1,5 km langer Barfußpfad eröffnet.
  • Das Ötisheimer Freibad wurde im Jahre 1936 als eines der ersten im damaligen Landkreis Vaihingen/Enz eröffnet und im Jahr 2000 renoviert.
  • Seit 2000 gibt es eine 1040 Meter lange Parkeisenbahn.
  • Es gibt folgende Vereine: Angelsportverein 1972 Ötisheim e.V.; Boule für Alle e.V.; Indiaca Ötisheim e.V.; Box-Ring 74 Ötisheim e.V.; Schützenverein Ötisheim e.V.; Tennisclub Ötisheim e.V.; Tischtennis-Freunde Ötisheim e.V. TSV Ötisheim e.V., Dampfbahnfreunde Ötisheim e.V., Briefmarkensammlerverein Ötisheim – Mühlacker e.V., DLRG Ortsgruppe Ötisheim, Kleintierzüchterverein e.V. Ötisheim, Musikfreunde Ötisheim, Naturfreunde Ötisheim, Obst- und Gartenbauverein Ötisheim, TSV Ötisheim Förderverein Fußball, Trike Club Braide Rädle, Strohhexen Ötisheim.

EhrenbürgerBearbeiten

  • Gottlob Ade (Gemeinderat)
  • Hermann Albrecht (Bürgermeister)
  • Walter Halbich (Gemeinderat, Kreisrat (Enzkreis), Bundesverdienstkreuzträger)

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Persönlichkeiten mit Bezug zur GemeindeBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Konrad Dussel: Ötisheim. Durch die Geschichte zur Gegenwart. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2007. ISBN 978-3-89735-503-3
  • Karl Henkelmann, Eduard Anthes: Das Kloster Lorsch, F. Kaufbach, Bensheim 1922.
  • Alfred Sauberschwarz, Schönenberg in Württemberg Magdeburg 1899.
  • Mathias Köhler, Evangelische Kirchen in Ötisheim, München und Zürich 1992.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. object=tx|2032.1514.1&ModID=7&FID=2032.2245.1&NavID=2032.167&La=1 enzkreis.de
  3. 106 Gemeinden im Südwesten ohne Schulden
  4. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 565
  5. leo-bw.de Erlenbach
  6. Konrad Dussel (2007): Ötisheim - durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007 ISBN 978-3897355033 S. 83 und S. 113 - 114
  7. waldenser.org Corres
  8. Rüdiger Stenzel: Abgegangene Siedlungen zwischen Rhein und Enz, Murg und Angelbach. In: Oberrheinische Studien. Bd. III. Fs. für G. Haselier. Bretten 1975. S. 128 und 133
  9. Konrad Dussel (2007): Ötisheim - durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007 ISBN 978-3897355033 S. 35
  10. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Ötisheim.
  11. Climate-Data.org: Klima & Wetter Ötisheim. Climate-Data.org, abgerufen am 7. Juni 2019.
  12. ötisheim.de Geschichte
  13. Konrad Dussel (2007): Ötisheim - durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007 ISBN 978-3897355033 S. 26 - 30
  14. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 4), Urkunde 2332, 1. Juli 783 – Reg. 1905. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 108, abgerufen am 15. Januar 2018.
  15. Lage und Markung
  16. ötisheim. de Wappen
  17. Stadtwiki Necknamen-Ötisheim
  18. Streitigkeiten der Herren von Enzberg mit dem Kloster Maulbronn.
  19. Franz Xaver Steck Das Kloster Hirsau, Gustav Rivinius, Calw 1844, S. 168
  20. ötisheim.de Geschichte
  21. enzkreis.de
  22. Konrad Dussel (2007): Ötisheim - durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007 ISBN 978-3897355033 S. 309-311
  23. Beschreibung des Oberamts Maulbronn/Kapitel A 3
  24. Konrad Dussel (2007): Ötisheim - durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007 ISBN 978-3897355033 S. 80-81 und S. 146
  25. landeskundliche Informationssystem für Baden-Württemberg. Abgerufen am 10. Mai 2019.
  26. bnn.de Schuldenfrei trotz Investitionen
  27. Konrad Dussel (2007): Ötisheim - durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007 ISBN 978-3897355033 S. 83 und S. 309
  28. ötisheim.de Partnergemeinden
  29. ötisheim.de Historische Kelter
  30. kirchbau.de
  31. ShoWTimE – Liquipedia – The StarCraft II Encyclopedia. In: wiki.teamliquid.net. Abgerufen am 4. November 2016.
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