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Geschichte des Österreichischen BauernbundesBearbeiten

Die Anfänge des Bauernbundes stellen die seit dem späten 19. Jahrhundert in einzelnen Bundesländern entstandenen politischen Bauernvereinigungen dar:

Im November 1919 wurde der „Österreichische Reichsbauernbund“ gegründet, der bis 1938 bestand. Als „Zusammenfassung aller christlichen Bauernorganisationen Österreichs“ verstand sich diese agrarische Standesvertretung als parteipolitische Organisation, deren „öffentliche politische Tätigkeit in den Rahmen der Christlichsozialen Partei eingebaut ist.“[1] In den 1920er-Jahren wurden auf seine Initiative die Interessenvertretung der Bauern (Landwirtschaftskammern, Präsidentenkonferenz) eingerichtet.

1945 wurde der Österreichische Bauernbund, zusammengesetzt aus den neun Landesorganisationen, als Teilorganisation der ÖVP neu gebildet. Durch seine Mitgliederzahl (1920 ca. 220.000 Mitglieder, 1948 ca. 405.000 Mitglieder, heute mehr als 300.000 Mitglieder) und die Verankerung in der ÖVP übt der Bauernbund seit seiner Gründung einen wesentlichen Einfluss auf die Agrarpolitik in Österreich aus (Preispolitik für landwirtschaftliche Produkte, Landwirtschaftsgesetz). In den 1950er- bis in die 1970er-Jahre wurde, auch unter Mitwirkung des Bauernbundes, die soziale Absicherung für Bauern ausgebaut (Zuschussrenten, Pensionen, Kranken- und Unfallversicherung, Kinderbeihilfe auch für Bauernkinder).

Organisation und TätigkeitBearbeiten

Der Österreichische Bauernbund ist die Dachorganisation der neun Landesbauernbünde – Burgenländischer Bauernbund, Kärntner Bauernbund, Niederösterreichischer Bauernbund, Oberösterreichischer Bauern- und Nebenerwerbsbauernbund, Salzburger Bauernbund, Steirischer Bauernbund, Tiroler Bauernbund, Vorarlberger Bauernbund und Wiener Bauernbund –, die ihrerseits volle vereins- und vermögensrechtliche Selbständigkeit besitzen. Mitglieder der Landesbauernbünde sind automatisch auch Mitglieder des Österreichischen Bauernbundes.[2] Eine weitere eigenständige Organisation innerhalb des Bauernbundes ist die Österreichische Jungbauernschaft mit Bundesobmann Franz Xaver Broidl an der Spitze. Die Jungbauern veranstalten jährlich das Erntedankfest in Wien und sind auch für Jungbauernkalender verantwortlich.[3]

Ziel des Bauernbundes ist, eine flächendeckende bäuerliche Landwirtschaft und damit die Funktion des ländlichen Raumes als Erholungsraum, Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum für alle Österreicher, auch über den Agrarbereich hinaus, sicherzustellen. Die Tätigkeit des Bauernbundes umfasst Öffentlichkeitsarbeit, die Organisation von Veranstaltungen und Initiativen. Er ist auch Herausgeber der Österreichischen Bauernzeitung.

Zahlreiche Funktionäre des Bauernbundes waren und sind als Politiker der ÖVP (bzw. vor 1938 der Christlichsozialen Partei und der Vaterländischen Front) in der Landes- und Bundespolitik aktiv, darunter Josef Stöckler, Rudolf Buchinger, Andreas Thaler, Florian Födermayr, Engelbert Dollfuß, Josef Reither, Josef Kraus, Eduard Hartmann, Karl Schleinzer, Alois Derfler, Leopold Figl, Josef Riegler, Wilhelm Molterer, Jakob Auer, Hermann Schultes und Stephan Pernkopf. Weiters sind Funktionäre des Bauernbundes in gesetzgebenden Körperschaften und Interessenvertretungen, in sozial- und kulturpolitischen Einrichtungen, in Wirtschaft und Verwaltung vertreten.

PräsidentenBearbeiten

DirektorenBearbeiten

Grundsätze des Österreichischen BauernbundesBearbeiten

Am 28. November 1992 wurden in St. Pölten neue Satzungen des Österreichischen Bauernbundes beschlossen. In diesen Grundsätzen findet sich das Bekenntnis zu einem demokratischen, freien und unabhängigen Österreich, zum Rechtsstaat und zum Föderalismus wieder.

  • Der Bauernbund sieht sich den christlich-humanistischen Werten und Traditionen verpflichtet.
  • Er versteht sich als starke Interessenvertretung der Bauern.
  • Darüber hinaus setzt sich der Bauernbund für all jene Belange ein, die für die Menschen im ländlichen Raum – über Konfessions-, Standes- und Berufsgrenzen hinweg – wichtig sind: von der Erhaltung der Heimat als Kultur und Lebensraum, dem Leben in den Dörfern, bis zu Chancengleichheit bei Infrastruktur, Wirtschaft, Sozialpolitik und in der Aus- und Weiterbildung. Ziel ist es, die flächendeckende bäuerliche Landwirtschaft und die Funktion des ländlichen Raumes als Erholungsraum nachhaltig sicherzustellen.
  • Der Bauernbund bekennt sich zur ökosozialen Marktwirtschaft: Zum Schutz des Eigentums und zu einer Verbesserung der Einkommenslage der Landwirtschaft durch die Gestaltung fairer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, zur Sicherung der ökologischen Vielfalt, zum Schutz der Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft durch nachhaltige Bewirtschaftung und zu einem gerechten sozialen Ausgleich.
  • Bäuerliche Landwirtschaft wird als „Lebenswirtschaft für die Gesellschaft“ gesehen. Neben der Bereitstellung von Nahrung und Energie müssen, so das Leitbild des Bauernbundes, auch „bäuerliche Leistungen zur Erhaltung der Kulturlandschaft, die für die Allgemeinheit erbracht werden, entsprechend abgegolten werden“.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gernot Stimmer: Eliten in Österreich, 1848–1970. Bd. 2 (= Ernst Bruckmüller, Klaus Poier, Gerhard Schnedl, Eva Schulev-Steindl [Hrsg.]: Studien zu Politik und Verwaltung. Band 57). Böhlau, Wien 1997, ISBN 978-3-205-98587-7, S. 691 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Bauernbund-Homepage vom Österreichischen Bauernbund; [1] abgerufen am 23. Oktober 2018.
  3. Jungbauern-Homepage von der Österreichischen Jungbauernschaft; [2] abgerufen am 23. Oktober 2018.
  4. orf.at: „Hofübergabe“ an der Bauernbund-Spitze. Artikel vom 26. August 2017, abgerufen am 27. August 2017.