Hauptmenü öffnen

Éva Fahidi

ungarische Holocaustüberlebende

Éva Fahidi (geboren 22. Oktober 1925 in Debrecen) ist eine ungarische Zeitzeugin der Shoa (Holocaust). Sie überlebte 1944 die Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und die danach folgende Zwangsarbeit in einem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Erst sechzig Jahre später schrieb sie als einzige Überlebende ihrer Familie einen Bericht über das Erlebte.

LebenBearbeiten

Éva Fahidi wuchs in einer großbürgerlichen ungarischen jüdischen Familie in Debrecen auf. Am 29. April 1944 wurde ihre Familie von der mit dem Eichmann-Kommando kooperierenden ungarischen Gendarmerie festgenommen und mit den anderen Juden der Stadt in ein neu errichtetes Ghetto gesperrt.[1] Am 14. Mai wurde sie in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort auf der Rampe von dem SS-Arzt Josef Mengele für Zwangsarbeiten ausgesucht. Éva Fahidis elfjährige Schwester Gilike und ihre Mutter wurden sofort vergast, ihr Vater Dezső wurde Opfer der unmenschlichen Haftbedingungen. Fahidi wurde nach sechs Wochen aus dem Konzentrationslager Auschwitz zur Arbeit für die Sprengstoffwerke Allendorf und Herrenwald in das KZ-Außenlager Münchmühle des KZ Buchenwald überstellt. Bei Kriegsende 1945 konnte sie bei einem Todesmarsch entkommen.

Nach ihrer Befreiung und einer Irrfahrt als displaced person kehrte sie im November 1945 nach Ungarn zurück, wo die Wohnung der Eltern von anderen Menschen in Beschlag genommen worden war.[1]

Sie schloss sich den ungarischen Kommunisten an und erhoffte sich eine bessere Gesellschaft. Sie arbeitete als Industrieangestellte und machte trotz ihrer bürgerlichen Herkunft dank ihrer französischen Sprachkenntnisse als Außenbeauftragte des ungarischen Stahlkombinats Karriere. Sie war verheiratet, trug den Familiennamen Fahidi-Pusztai und lebte die folgenden fünfzig Jahre in Budapest.[1]

Sie habe, wie es in Ungarn von den Überlebenden des Holocaust erwartet wurde, 45 Jahre lang zu den Umständen der Deportation der ungarischen Juden geschwiegen.[1] 1990 folgte sie einer Einladung ehemaliger Häftlinge nach Stadtallendorf. Die Gedenkstätten des Vernichtungslagers Auschwitz besuchte sie im Jahr 2004.[2] Fahidi begann in dieser Zeit ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Das Buch Anima rerum wurde 2004 zunächst in einer deutschen Übersetzung herausgegeben und 2011 erneut aufgelegt. Fahidi hat in den letzten Jahren auch als eine Zeitzeugin an Veranstaltungen teilgenommen und hat auch in deutschen Schulklassen referiert. Bei zwei Gerichtsprozessen gegen ehemalige KZ-Aufseher plante sie als Nebenklägerin aufzutreten.[1] 2015 war sie Nebenklägerin beim Prozess gegen Oskar Gröning und nahm am Prozess teil.[3]

SchriftenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung“. Dokumentation der Internationalen Tage der Begegnung in Stadtallendorf, KZ-Außenlager Münchmühle, Nobel ; vom 21. bis 26. Oktober 1990. Magistrat der Stadt, Stadtallendorf 1991.
  • Thomas Gonschior, Christa Spannbauer: Mut zum Leben. Die Botschaft der Überlebenden von Auschwitz. Europa Verlag, Berlin 2014. ISBN 978-3-944305-57-8.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Kerstin Krupp: Dem Unsagbaren eine Stimme geben. In: Frankfurter Rundschau, 5. Oktober 2013, S. 25. Textgleich in der Berliner Zeitung
  2. Ingrid Heinisch: Es war nicht Eichmann allein, Neues Deutschland, 24. Juni 2011
  3. Eva Fahidi im Gröning-Prozess auf focus.de
  4. Rezension von Günther B. Ginzel.