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Ägyptisches Bilsenkraut

Art der Gattung Bilsenkräuter (Hyoscyamus)
Ägyptisches Bilsenkraut
Hyoscyamus muticus 04.JPG

Ägyptisches Bilsenkraut (Hyoscyamus muticus)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Unterfamilie: Solanoideae
Gattung: Bilsenkräuter (Hyoscyamus)
Art: Ägyptisches Bilsenkraut
Wissenschaftlicher Name
Hyoscyamus muticus
L.

Die Pflanzenart Ägyptisches Bilsenkraut (Hyoscyamus muticus) gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

 
Habitus
 
Blüte im Detail
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Vegetative MerkmaleBearbeiten

Das Ägyptische Bilsenkraut wächst als ausdauernde krautige Pflanze[1], die Wuchshöhen von bis zu 90 Zentimetern erreichen kann. Die klebrigen, grünen Pflanzenteile verströmen einen unangenehmen Geruch. Die wechselständigen Laubblätter sind buchtig gezähnt.

Generative MerkmaleBearbeiten

Die Blüten stehen in dichten, ährigen Blütenständen mit laubblattähnlichen Tragblättern zusammen. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kronblätter besitzen eine weiße Nervatur. Ihre Farbe variiert zwischen überwiegend violett und schwefelgelb und verdunkelt sich zum Blütenkelch hin. Die Blütezeit beginnt im Mai und reicht bis in den Herbst hinein.

ChromosomenzahlBearbeiten

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28, seltener 30.[2]

ÖkologieBearbeiten

Gelegentlich auftauchende Heuschreckenschwärme werden von Duméril’s Fransenfingereidechse gerne genutzt. Allerdings bevorzugen manche Heuschrecken wie die Wüstenheuschrecke bei hoher Populationsdichte (Gregaria-Phase) Pflanzen wie das Ägyptische Bilsenkraut, welche Toxine enthalten und sequestrieren diese in ihrem Körper. Sie entwickeln dann einen Aposematismus, indem ihre Färbung intensiviert wird. Duméril’s Fransenfingereidechsen meiden Wüstenheuschrecken mit solcher Warnfärbung, besonders in der Gregaria-Phase.[3]

VorkommenBearbeiten

Das bevorzugt in sandigen Lagen gedeihende Ägyptische Bilsenkraut ist in Algerien, Libyen, Ägypten bis zum Sudan, im Niger, Tschad, Äthiopien, in Syrien, Jordanien und Saudi-Arabien heimisch.[4] Populationen sind von Nordafrika bis hin zum Mittleren Osten anzutreffen.

SystematikBearbeiten

Es könne zwei Unterarten unterscheiden werden:

  • Hyoscyamus muticus L. subsp. muticus: Sie kommt in Ägypten, Jordanien, Syrien und in Saudi-Arabien vor.[4]
  • Hyoscyamus muticus subsp. falezlez (Coss.) Maire: Sie kommt in Algerien, Libyen, Niger, Tschad, Äthiopien und im Sudan vor.[4]

InhaltsstoffeBearbeiten

Die Pflanzenteile enthalten von allen Hyoscyamus-Arten am meisten giftige Tropan-Alkaloide, darunter primär Scopolamin und Hyoscyamin. Daneben sind Spuren der Tropanalkaloide Atropin, Aposcoplamin, Norscopolamin, Littorin, Tropin, Cuskohygrin, Tigloidin und Tigloyloxytripan zu nennen. Die höchste Konzentration liegt in den Blüten (2 %), gefolgt von Blättern (1,4 bis 1,7 %) und Samen (0,9 bis 1,3 %). Die Stängel enthalten mit 0,5 bis 0,6 % die geringste Menge.

Hyoscyamus muticus ist von allen Hyoscyamus-Arten die am stärksten berauschend wirkende Art. Lebensbedrohliche Vergiftungen sind durchaus möglich, jedoch selten diagnostiziert.[5]

NutzungBearbeiten

Das Ägyptische Bilsenkraut wird, je nach Saatzeit und/oder Großwetterlage, als ein- bis zweijährige krautige Pflanze kultiviert.

Bereits vor 5000 Jahren wurde Bilsenkraut in Mesopotamien[6] (in Betracht kommt hier insbesondere das Ägyptische Bilsenkraut) als Heilpflanze eingesetzt.[7]

Die antiken Assyrer setzten ihren Bieren gelegentlich Bilsenkraut zu. Im alten Ägypten diente Hyoscyamus muticus als rituelles Rauschmittel. Zu kriminellen Zwecken wurde gemäß Rätsch auf die Wirkung als Nervengift zurückgegriffen und die Droge potentiellen Opfern in Nahrung vermischt angeboten, die nach dem Verzehr ins Delirium verfielen und sich widerstandslos bestehlen ließen.[8]

QuellenBearbeiten

  • F. M. Hammouda, S. I. Ismail, N. S. Abdel-Azim & K. A. Shams: Hyoscyamus muticus. (pdf; 94 kB) In: Medicinal Plants of North Africa. IUCN, S. 153–155, abgerufen am 11. Mai 2011 (englisch).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hammouda et al.: Hyoscyamus muticus aus Medicinal Plants of North Africa.
  2. Hyoscyamus muticus bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. Gregory A. Sword, Stephen J. Simpson, Ould Taleb M. El Hadi, Hans Wilps: Density–dependent aposematism in the desert locust. In: Proceedings of the Royal Society of London B: Biological Sciences, Band 267, Nr. 1438, 2000, S. 63–68, doi:10.1098/rspb.2000.0967 (Volltext).
  4. a b c Hyoscyamus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 2. Dezember 2017.
  5. Wolf Dieter Storl: Götterpflanze Bilsenkraut, Nachtschatten Verlag 2000, ISBN 978-3907080634.
  6. Irmtraut Seybold, Peter Roll: Kräutergärten in Mesopotamien: Heilpflanzen, ihre Bedeutung und ihre Anwendung. In: Bernhard Scholz (Hrsg.): Der Orientalische Mensch und seine Beziehungen zur Umwelt, Beiträge zum 2. Grazer Morgenländischen Symposion (2.–5. März 1989). Graz 1989 (= Grazer Morgenländische Studien, 2), S. 297–309; hier: S. 298–304.
  7. H.-P. Michael Freyer: Hyoscyamus niger. Zur Unterrichts- und Anwendungsgeschichte einer Giftpflanze. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 18, 1999, S. 189–221; hier: S. 190 f.
  8. Christian Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, AT-Verlag 2007, ISBN 978-3038003526.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ägyptisches Bilsenkraut (Hyoscyamus muticus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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