Hochfrequenz-Handel

Als Hochfrequenz-Handel (engl. high-frequency trading (HFT)) wird ein mit Computerhilfe betriebener Handel mit Wertpapieren bezeichnet, der sich durch kurze Haltefristen und hohen Umsatz auszeichnet. Obwohl der Begriff in Presse und Medien weitläufig benutzt wird, existiert bislang keine allgemeingültige Definition und Abgrenzung des Themas.[1] Das Phänomen HFT lässt sich bislang nur über seine Eigenschaften und Beobachtungen in der Praxis definieren. So werden üblicherweise keine Positionen über Nacht gehalten (no overnight risk). HFT kann als eine Sonderform des automatisierten oder algorithmischen Handels verstanden werden.

Einige Banken setzen Computerprogramme ein, welche Kauf- oder Verkaufsaufträge, die von manchen Börsen wie der NASDAQ für eine Gebühr diesen Banken einige Millisekunden früher zur Verfügung gestellt werden, analysieren. Wenn etwa ein Händler einen Kaufauftrag für eine Aktie platziert, kommt ihm das Computerprogramm ein paar Millisekunden zuvor, indem es Kaufaufträge für die gleichen Titel eingibt und diese sofort wieder verkauft. Dadurch sind diese Banken im Vorteil und können vor den normalen Händlern Wertpapiere erwerben, was u. U. die Preise für nachfolgende, langsamere, Geschäfte beeinflusst. Die Erlöse durch diesen Trick sind pro Transaktion sehr gering, summieren sich jedoch zu durchaus großen Erträgen. Dieser Handel wird seit Jahren betrieben und soll nach Aussage der Marktforscher der Tabb Group 2008 einen Wert von 21 Milliarden $ erreicht haben.[2] 2010 soll der Anteil dieser Form des Handels bereits über 50 % des Umsatzvolumens des US-amerikanischen Aktiengeschäfts betragen haben.[3]

Erstmals wurden Flash-Orders im Jahr 2004 von der SEC genehmigt, nachdem die Boston Option Exchange die Handelszulassung dieser beantragt hatte.[4] Aus rechtlicher Sicht ist nicht ganz klar, ob der Blitzhandel in der Europäischen Union zulässig ist. Aus deutscher Perspektive hätte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wohl die Möglichkeit, den Blitzhandel zu untersagen.[5] In den Vereinigten Staaten wird derzeit über ein Verbot nachgedacht. Problem ist die Ungleichbehandlung der Marktteilnehmer, durch die es einzelnen Marktteilnehmern (hier den Algo-Tradern) quasi möglich ist Gewinne auf Kosten der anderen Marktteilnehmer zu realisieren. Als Reaktion auf die Kritik seitens der amerikanischen Regulierungsbehörden haben die Börsen Nasdaq OMX und Bats Global Markets bereits bekanntgegeben, dass sie ab September 2009 das Angebot der Flash-Orders einstellen.[6]

Kritikern von Flash-Orders ist insbesondere die Tatsache, dass ein ausgewählter Teilnehmerkreis Informationen und Chancen vor anderen Marktteilnehmern erhält, ein Dorn im Auge. Dementgegen verweisen Befürworter auf die ansteigende Liquidität und Verringerung der Handelsspanne (Spread). Durch letztere sei es am Ende für alle Marktteilnehmer sicherer und günstiger zu handeln, was die „kleinen“ Gewinne der Liquiditätsprovider rechtfertige. Eine den amerikanischen Flash Orders vergleichbare Technik gibt es auch im Xetra-Handel unter dem Begriff Xetra-BEST.

Das Interesse der Öffentlichkeit wurde 2009 durch einen Blogbeitrag geweckt. In diesem wird auf die erheblichen Gewinne von Goldman Sachs aus dieser Handelsform verwiesen.[7] Zahlreiche Presseartikel folgten. Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC wurde von Seiten des US-amerikanischen Senators Charles Schumer 2009 aufgefordert, diese Handelsform zu verbieten.[8] Die SEC kündigte eine verstärkte Überwachung des Hochfrequenz-Handels an,[9] nachdem die US-amerikanische Aktienhandelsgruppe Knight Capital am 1. August 2012 aufgrund eines Softwarefehlers in 45 Minuten 440 Millionen $ verloren hatte.[10] Auch in Europa wird diese Handelsform diskutiert.[11][12] Der Bundestag hat einen Gesetzesentwurf zur Regulierung des Hochfrequenzhandels verabschiedet. Damit soll der Börsenhandel beschränkt und entschleunigt werden.[13]

Der Schweizer Bestseller-Autor Martin Suter thematisiert in seinem 2011 erschienenen Kriminalroman Allmen und der rosa Diamant die Möglichkeiten und negativen Folgen des Hochfrequenz-Handels.

Einzelnachweise

  1. Christoph Lattemann, Peter Loos, Johannes Gomolka, Hans-Peter Burghof, Arne Breuer, Peter Gomber, Michael Krogmann, Joachim Nagel, Rainer Riess, Ryan Riordan, Rafael Zajonz: High Frequency Trading - Costs and Benefits in Securities Trading and its Necessity of Regulations. In: Business & Information Systems Engineering, Vol. 4, 2012, Iss. 2, 93–108, abgerufen 11. Juni 2012
  2. Charles DuHigg: Stock Traders Find Speed Pays, in Milliseconds. New York Times, 23. Juli 2009, abgerufen am 24. Oktober 2012.
  3. Jens Korte: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In: Financial Times Deutschland, 14. Januar 2010
  4. Börsen beugen sich Kritik am Blitzhandel
  5. Dazu Forst, Gerrit: Ist der Hochfrequenzhandel in der Europäischen Gemeinschaft gestattet?, in Zeitschrift für Bank- und Kapitalmarktrecht (BKR) 2009, S. 454 ff.
  6. Financial Times Deutschland, 10. August 2009 (Seite 19)
  7. Tyler Durden: Goldman’s $4 Billion High Frequency Trading Wildcard. In: Zero Hedge. 17. Juli 2009, abgerufen am 12. Mai 2010 (englisch).
  8. Alexis Johann: Milliardenschwere Software-Schlacht an der Wall Street soll gestoppt werden. Wirtschaftsblatt, 27. Juli 2009, abgerufen am 4. Januar 2013.
  9. Mary Schapiro: Chairman Schapiro Statement on Knight Capital Group Trading Issue. In: sec.gov. 3. August 2012, abgerufen am 6. August 2012 (englisch).
  10. Daniel AJ Sokolov: Aktienhandels-Software verzockt 440 Millionen Dollar in 45 Minuten. In: Heise-Online. 4. August 2012, abgerufen am 6. August 2012.
  11. Udo Rettberg: An der Börse geht es um Nanosekunden. In: Handelsblatt. 10. Mai 2010, abgerufen am 12. Mai 2010.
  12. Bryant Urstadt: Börse auf Speed. In: Technology Review. 21. Mai 2010, abgerufen am 11. Januar 2011.
  13. Heise v. 28.02.2013: Bundestag will Hochfrequenzhandel entschleunigen
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Zuletzt geändert am 5. Mai 2013 um 23:46