Benevolent Dictator for Life

leitende Rolle in einem OpenSource-Projekt

Benevolent Dictator for Life (BDFL; englisch für Wohlwollender Diktator auf Lebenszeit) ist eine Bezeichnung für eine Person mit der leitenden Rolle in einem Freie-Software-Projekt mit einer Organisationsstruktur, bei der bezeichnenderweise in wichtigen Entscheidungen de facto kein Weg an der so betitelten Person vorbeiführt.[1][2] Der Begriff wurde vermutlich 1995 von Ken Manheimer geprägt, als er Guido van Rossum in einer E-Mail den Titel „BDFL“ verlieh – als Rolle in einem gerade gegründeten Gremium zur Programmiersprache Python. Ältere Versionen des Wikipedia-Artikels führten den Begriff auf einen Monty-Python-Sketch zurück, worauf van Rossum die ursprüngliche E-Mail veröffentlichte, um diese Verbindung endgültig zu widerlegen.[3][4][5][6]

Die Bezeichnung fand dann innerhalb der Freie-Software-Szene weite Verbreitung und wurde auf zahlreiche weitere Personen mit entsprechenden Rollen in anderen Projekten übertragen. Zum Teil geben sich diese Personen aus eigenem kritischem Bewusstsein für ihre Rolle auch selbst diesen oder ähnliche Titel, wofür Mark Shuttleworth von Ubuntu-Linux ein bekanntes Beispiel abgibt (als engl. Self-Appointed Benevolent Dictator for Life, SABDFL – deutsch: „Selbsternannter wohlwollender Diktator auf Lebenszeit“).[7][8][9]

Sollte dennoch ein BDFL zurücktreten, bzw. sich selbst von seinen Aufgaben entbinden, so spricht man von einem BDFL Emeritus.[10]

Eric S. Raymond deutet in seinem Open-Source- und Hacker-Kultur-Essay Homesteading the Noosphere (1999) auch den Begriff „benevolent dictator“.[11] Raymond führt aus, wie die Natur des Open Source dazu führt, dass ein solcher „Diktator“ altruistisch bleibt, da bei zu starken Dissonanzen eine Spaltung des Projekts unter anderer Leitung jederzeit möglich ist.

Personen, die als BDFL bezeichnet werden Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Fadi P. Deek, James A. M. McHugh: Open Source: Technology and Policy. Cambridge University Press, 2007, ISBN 978-1-139-46873-2 (google.de [abgerufen am 6. Januar 2023]).
  2. Marty Alchin: Pro Django. Apress, 2008, ISBN 978-1-4302-1047-4 (google.de [abgerufen am 6. Januar 2023]).
  3. Origin of BDFL. Abgerufen am 6. Januar 2023.
  4. Guido van Rossum: Benevolent Dictator for Life (Memento vom 12. August 2012 im Internet Archive; PDF; 299 kB)
  5. Mark Lutz: Programming Python. O’Reilly Media, Inc., 2006, ISBN 978-0-596-55461-3 (google.de [abgerufen am 6. Januar 2023]).
  6. Malte Helmert: Programmieren in Python. (PDF; 89,3 KB) In: Universität Freiburg. 2009, S. 3, archiviert vom Original am 28. Juni 2011; abgerufen am 6. Januar 2023 (deutsch).
  7. Mark Shuttleworth in Launchpad. Abgerufen am 6. Januar 2023 (englisch).
  8. Ubuntu carves niche in Linux landscape, CNET (englisch). 
  9. Frank Roebers, Manfred Leisenberg: WEB 2.0 im Unternehmen: Theorie & Praxis - Ein Kursbuch für Führungskräfte. tredition, 2010, ISBN 978-3-86850-634-1 (google.de [abgerufen am 6. Januar 2023]).
  10. Guido van Rossum (@gvanrossum) | Twitter. Abgerufen am 1. Januar 2020.
  11. Eric S. Raymond: Homesteading the Noosphere. Abgerufen am 1. August 2008 (englisch).
  12. People - D Wiki. Abgerufen am 6. Januar 2023.
  13. Roles and Leadership. Abgerufen am 6. Januar 2023 (englisch): „The ultimate decision-maker is a trusted member of the community who has the final say in the case of disputes. This is a model followed by many successful open source projects, and they are sometimes called the "benevolent dictator". Mozilla has evolved in the past to have two people in this role, but only has one at present: Mitchell Baker.“
  14. Matt Asay: Open Source's Cult Of Personality Is Dying—Thankfully. readwrite.com, 2. Mai 2014, abgerufen am 18. Juni 2015 (englisch).
  15. An Evening with Jeff Waugh | Linux Journal. Abgerufen am 6. Januar 2023.
  16. Gary Rivlin: Leader of the Free World. In: Wired. ISSN 1059-1028 (wired.com [abgerufen am 6. Januar 2023]).